Nov 19

Urlaubsblog 3: Mittwoch

Es ist 7:15 Uhr und der Wecker brüllt seinen schrillsten Weckton in den frühen Tag hinein. Was zur Hölle? Sollten die Menschen etwas vergessen haben, dieses Teil in ihren Schmartfons auszustellen? Es ist Urlaub! ICH WILL SCHLAFEN und Norbert und unsere Menschen sollten das auch wollen. Na da wird sicherlich gleich was durchs Zimmer fliegen…

Vom Wecker-Schreck erholt

Vom Wecker-Schreck erholt

Was soll das denn? Die stehen doch wohl nicht ernsthaft auf? Orrrrrr…
Also gut, anziehen brauch ich mich ja nicht, mein Panzer zerknittert ja nicht über Nacht. Da kann ich noch fünf Minuten schlafen, denke ich mir und drehe mich noch einmal auf meinem Sessel um.

Als ich wieder aufwache, ist es dunkel und es bewegt sich alles. Aha, anscheinend hat mein Mensch mich eingepackt und mitgenommen. Und so wie es klingt, ist Frühstückszeit. Juhu! Perfektes Timing.
Nebenan höre ich Norberts Magen knurren und schwupps sind wir beide wie auf Kommando aus den Taschen raus und am Tisch.

Während wir gerade unseren dritten Gang des Frühstücksbuffets vertilgen, merke ich, wie unsere Menschen unruhig werden. Dann geht alles ganz schnell: Ich schaffe es gerade noch, das Spiegelei zu grabschen, als ich wieder in meine Tasche geladen werde und es wieder losgeht. Jetzt ist die ganze Tasche voll Ei. Aber mir egal, da hat mein Mensch selber schuld.

Dann heißt es wieder einmal warten. Um 8:40 Uhr sollte der Bus da sein, um 9:00 rollt er langsam vor den Hoteleingang. Ich kombiniere: die Türkischen 5 Minuten von denen der Reiseleitungsfutzi sprach, dauern ziemlich genau 20 Minuten.

Soso, hier sollen Große die Kleinen an die Hand nehmen. Aber Kleine dürfen andere Kleine nicht auf ein Auto stellen und reinfahren? Laangweilig!

Soso, hier sollen Große die Kleinen an die Hand nehmen. Aber Kleine dürfen andere Kleine nicht auf ein Auto stellen und reinfahren? Laangweilig!

Wir steigen ein und machen es uns auf den Sitzen so bequem wie möglich, denn heute steht doch der erste Ausflug an. Das hatte ich ja fast vergessen. Wir fahren auf die Autobahn (wenn man das so nennen kann, es gibt Ampeln, Kreuzungen, Fußgänger, Chaos, Verwüstung und Zebrastreifen. Zudem ein wildes Hupkonzert von allen Seiten. Wer soll den dabei sein wohlverdientes Nickerchen halten… Norbert meckert übrigends mal wieder, ich glaub er hat schon wieder Hunger, der alte Fresssack…) und es geht in Richtung Antalya.

Im Bus

Im Bus

Unterwegs bekommen wir viele Informationen von Mehmet, unserem Reiseleiter. Putziges Kerlchen, der erzählt was von Landwirtschaft und fruchbarem Boden. Dabei sieht das hier doch staubtrocken aus. Obwohl, ja doch, wenn man mal genauer hinschaut, sind da unheimlich viele Obstbäume – die gerammelt voll mit Früchten hängen. Das sind Granatenäpfel, sagt Mehmet. Ob die wohl explodieren…?
Mein Mensch sagt, das wären Granatäpfel, ohne Granaten und die wären ziemlich lecker. Norberts Magen knurrt schon wieder. Kann ich verstehen…
Dann gibt es noch Baumwolle hier, sagt Mehmet. Aber jedes Mal, wenn er sagt, da wäre Baumwolle, sehe ich nur Sträucher. Und Schafe gibt es auch nicht. Mein Mensch sagt, Baumwolle kommt von diesen Sträuchern. Faszinierend, ich dachte ja immer, Baumwolle käme von Schafen, die auf Bäumen leben.

Nach einer halben Stunde machen wir Pause an einer Tankstelle. Während alle aufs Klo rennen, lungern Norbert und ich herum. Ob es hier wohl was zu essen gibt? Norberts Menschin hat auf jeden Fall Glück und bekommt ein Glas frisch gepressten Granatapfelsaft geschenkt und wir konnten uns davon überzeugen, dass die nicht explodieren, wenn man sie auspresst. Ob das beim Werfen nicht vielleicht trotzdem passiert müssen wir noch ausprobieren.

Dann geht es weiter und die Gegend wird wieder zur Stadt. Anscheinend sind wir gleich da. Ich bin ja soooo gespannt, wie die Stadt wohl aussieht. Und eine Bootsfahrt wollen wir auch machen, habe ich gehört. Wow! Hoffentlich werde ich nicht Seekrank. Und Norbert auch nicht. Die Taschen von innen sauber zu machen ist nämlich ganz schön anstrengend.

Moment mal, was ist denn das? Das sieht nicht nach einem Stadtzentrum aus. Wir steuern einen Hinterhof von etwas an, das wie eine Fabrikhalle aussieht. Norberts Menschin meint, hier gäbe es jetzt Schmuckverkauf. Die würden diese Fahrt sponsorn, hieß es. Nagut. Flitter und Tand, mal schauen, ob was für Ameisen dabei ist.
Eine halbe Stunde später bin ich wieder draußen. Zusammen mit Norbert und den Menschen. Boah. Ich mein, schicke Teile waren schon dabei…aber um mir sowas erlauben zu können, hätte ich meinen Menschen glatt versklaven müssen. Moment mal…das ist eine gute Idee…

Gut, der Plan ist dann doch fehlgeschlagen. Norbert hat mich verpetzt. Nein, eigentlich sein knurrender Magen. Der hat unsere Menschen erst auf die Spur gebracht, wo wir zu finden waren…nämlich mitten in Verhandlungen.
Dann ging es wieder in den Bus und weiter. Hoffentlich dieses Mal in die Stadt.

Mist. Wieder nicht. Dieses Mal geht es in einen Lederwarenladen. Norbert hat ein schlechtes Gefühl. Er fragt, ob es Küchenschaben-Leder gibt? Vielleicht kann ja einer der Leser was dazu sagen. Oder schreiben. Ich weiß das nämlich nicht und ich trau mich nicht, meinen Menschen zu fragen. Nachher wollen die aus Norbert noch ne Jacke oder Tasche machen. Wir wurden nun in einen Raum gebracht, in dem plötzlich das Licht ausging. Dann fing Musik an zu spielen und dann ging wieder Licht an. Anderes Licht.

Ich fass es nicht! Wir sitzen mitten in einer Modenschau. Wie geil ist das denn? Da fehlt ja nur noch das Blitzlichtgewitter. Oh, und mehr Models, denn davon gibt es nur zwei. Eine Frau, die aussieht, als hätte sie nicht gefrühstückt (so sieht Norbert mittlerweile auch aus) und ein Mann, der einen auf krasser Checker macht. Boah, was hab ich gelacht. Selbst jetzt muss ich noch kichern, wenn ich daran denke. Gnihihihi… Aber auch die Menschen mussten sich während der „Modenschau“ an den Stühlen festhalten, sonst währen sie vor lauter Lachen glatt runter geplumpst. Hatte ein paar blöde Blicke des – tja, was war der Typ eigentlich der unsere Menschen und uns durch den Laden geführt hat und uns alles mögliche – scheußliche – gruselige und absolut untragbare Zeug aus Leder andrehen wollte? Verkäufer würde ich ihn ja nicht nennen, denn verkauft hat er eher nicht in der kurzen Zeit die wir da waren. Aber Hauptsache wir hatten was zu Lachen.

Norberts Magen knurrte mittlerweile unaufhörlich und der Arme hat auch schon ganz schlecht ausgesehen. Da hatten wir Glück, dass es nach dieser Tortur äh Tour direkt ins Restaurant ging. Natürlich alles inklusive. Also außer den Getränken (zu Apothekenpreisen btw.), die mussten die Menschen gesondert berappen. Dafür war die Aussicht von unseren Plätzen quasi nicht vorhanden, denn wir speisten in königlichen Katakomben, die einmal ein Waffenlager waren. Leider war auch keine Restwaffe hier irgendwo liegen geblieben.

Nachdem Norberts endloser Magen endlich gefüllt war, ging es gleich wieder auf einer Treppe aufwärts und wir bekamen unseren Treffpunkt gezeigt. Von hier hatten wir dann Zeit, die Altstadt zu erkunden und etwas herumzulungern, bevor wir dann auf ein Boot steigen, und alles wieder von uns geben. Oder die Aussicht genießen können.

Zusammen mit Mehmet gingen dann unsere Menschen (und ein Teil der Gruppe) in einen Basar. Meine Güte, hier gab es wirklich alles. Und das in jedem Laden. Gleichzeitig. Und alle waren plötzlich unsere Freunde und wollten einen speziellen Preis nur für uns machen. Aber Mehmet steuerte einen ganz bestimmten Laden an. Als wir alle drin waren, kam der Chef (jedenfalls benahm er sich so…) und erzählte etwas. Mehmet meinte, der Chef wäre komisch, aber der sah aus wie ein ganz normaler Rocker. Piratentuch, Bart, Kutte. Eigentlich ganz sympathisch, der Kerl.

Unsere Menschen steuerten dann erst einmal ziellos durch das Geschäft und wurden natürlich auf Schritt und Tritt „beraten“. Norberts Menschin probierte einige Jacken an, aber keine schien irgendwie richtig zu sein. Schade, einige waren nämlich echt schick. Mein Mensch stöberte inzwischen durch die Uhrenauswahl. Auch da waren einige schicke Teile dabei und als er sich für eine Uhr entschied, meinte der Rocker, es gäbe noch ein bisschen „Glatzen-Rabatt“. Gnihihi, ich hätte nicht gedacht, dass die Glatze meines Menschen mal etwas bringen würde, ausser Ärger.

Nachdem Norberts Menschin dann auch noch an der Handtaschenwand nichts wirklich schick fand, gerieten die Berater schier in Verzweiflung und wir suchten schleunigst das Weite. Das fanden wir auch recht schnell und befreiten uns aus dem Rest des Basars, um die Altstadt noch ein wenig zu entdecken.

Eine schmale Gasse reihte sich an die andere und überall gab es Glitzer, Flitter, Klamotten, Tand und Süßigkeiten, überall luden die Verkäufer ein, ihre Läden zu besichtigen und überall herrschte geschäftiges Treiben.

Lustige Namen 1

Lustige Namen 1

Lustige Namen 2

Lustige Namen 2

Wir kamen um eine Ecke und bogen noch einmal ab und standen plötzlich vor einer Moschee, neben einem Aussichtsplatz und einem Laden innerhalb einer Ruine. Es fühlte sich an, wie in einer Oase der Ruhe. Nach einigen Fotos vom Aussichtsplatz und einem Einkaufsbummel durch den Laden, gingen unsere Menschen schließlich weiter.

Eine Oase der Ruhe

Eine Oase der Ruhe

Aussicht mit Insekten

Aussicht mit Insekten

Als wir alle schon an einem Café vorbei waren, entschied Norberts Menschin, dass es höchste Zeit für einen Kaffee wäre. Also drehten wir um und setzten uns.

Dann fingen die Menschen plötzlich an zu lachen und als wir aus unseren sicheren Taschen hervorlinsten, sahen wir, dass das Café genau so hieß, wie mein Mensch mit Nachnamen. Das fanden alle urkomisch und als wir gut gelaunt wieder gingen, war es auch schon wieder höchste Zeit, den Treffpunkt anzusteuern.

Von dort ging es dann zu Fuß durch viele Gassen und über viele Treppen abwärts bis zum Hafen, wo wir auf ein Piratenschiff stiegen. EIN PIRATENSCHIFF! MIT SEGELN!

Verfolgt von noch einem Piratenschiff

Verfolgt von noch einem Piratenschiff

Ja, OK, das war eine Fake-Takelage, aber sie sah echt aus. Echter als die von allen anderen Schiffen, die da lagen.

Wir liefen aus und fuhren ein Stück an der Küste entlang und nach gefühlten 5 Minuten (es wird wohl eine halbe Stunde gewesen sein), drehten wir auch schon wieder um. Das wurde auch höchste Zeit, denn Norbert machte schon wieder merkwürdige Geräusche. Ich glaube, er hatte schon wieder Hunger. Der alte Fresssack.

Norbert schaut, ob ich noch was zu Essen habe

Norbert schaut, ob ich noch was zu Essen habe

Wir legten also im Sonnenuntergang an, und stiegen gefühlte 100 Stufen und 500 Höhenmeter wieder zum Bus hinauf.

Auf der Rückfahrt legte ich mich dann in meiner Tasche schlafen und als wir am Hotel ankamen, war es auch schon wieder allerhöchste Zeit fürs Abendessen. Norbert schnarchte nicht nur, sein Magen knurrte mit seinem Schnarchen ein Duett. Also auf zum Buffet!

Zurück im Hotel. Dabei sind wir doch...ach, das ist für Menschen?

Zurück im Hotel. Dabei sind wir doch…ach, das ist für Menschen?

Wie nicht anders erwartet boten die Köche auch heute wieder allerlei leckere Speisen an und wir hauten uns alle Bäuche ordentlich voll mit Auberginen, gefüllten Paprika, Fisch, Reis und dem ein oder anderen Teilchen vom ausladenden Dessert-Buffet. Diese schier endlose Völlerei trieb unsere Menschen dann dazu, eine Runde die Strandpromenade raufzuspazieren, weil sie sonst geplatzt wären. Haben sie zumindest behauptet. Ich glaub das ja nicht, so schnell platzt keiner, nichtmal Norbert, auch wenn sein Panzer manchmal schon ganz schön gefährlich knarzt.

Strandpromenade

Strandpromenade

Strandblick bei Nacht

Strandblick bei Nacht

Nach dem Spaziergang war es Zeit für die allabendliche ausgiebige Renterschau an der Hotelbar. So langsam können wir verschiedene Grüppchen ausmachen und die ganzen weißhaarigen Leute besser zuordnen. Norberts Menschin hat hierzu einen interessanten Vergleich angestellt. Sie meint, dass Ganze hier hat ein bisschen was von einer amerikanischen High School: Die vermeintlich coolen blonden Mädels an der Bar, die keinen Junggesellen unbekichert und unbehuhut lassen und sich dabei benehmen wie Sau, die illustere Truppe am Bingotisch, die akribisch jede Zahl abstreicht wie der Matheklub, die Gruppe klugscheißender Besserwisser, die sich gegenseitig in Grund und Boden lamentiert – ganz wie der Debattierklub. Fehlen nur die coolen aber strunzblöden Sportler, aber die sind wohl schon im Fitnessdrink-Koma oder wurden versehentlich im Hotel-Fitnessraum eingeschlossen und müssen die ganze Nacht weiter auf dem Laufband rumflitzen. Hach, wir könnten dieses Beobachten und Analysieren ja wirklich den ganzen Tag machen.

Blogbeitrag vorbereiten und Bar-Beobachtungen machen

Blogbeitrag vorbereiten und Bar-Beobachtungen machen

Kommentar? Ja, klar!