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Reiseblog 3: Donnerstag

Und wieder klingelt der Wecker. Wieder viel zu früh, aber heute müssen wir aufstehen. Heute werden wir uns nämlich einfach in der Tasche vom Menschen verstecken und mal schauen, was er den ganzen Tag so macht. Das hatten Norbert und ich jedenfalls gestern beschlossen, denn irgendwie war es zwar ganz lustig, so allein im Zimmer, aber es war doch ein bisschen langweilig.

Früh am Morgen und ganz sicher unter dem Helm. Norbert schnarcht...

Früh am Morgen und ganz sicher unter dem Helm. Norbert schnarcht…

Norbert ist aufgewacht. Im Helm ist es übrigens ziemlich begquem.

Norbert ist aufgewacht. Im Helm ist es übrigens ziemlich begquem.

Während der Mensch also beim Frühstück war, schafften Norbert und ich es mit vereinten Kräften, die Tasche zu öffnen, uns drinnen zu verstecken und die Schnallen von drinnen wieder zu verschließen. Drinnen war es ja zum Glück ziemlich bequem und wir zogen einfach den Schal vom Menschen über unsere Köpfe. Als der Mensch dann vom Frühstück zurückkam, ging es auch schon gleich los. Erst in den Fahrstuhl, dann in die Hotel-Lobby und dort war erst einmal Pause angesagt.

Nach ein paar Minuten stiegt der Mensch dann in ein Auto, offensichtlich ein Taxi. Aber als wir zwischendurch mal an der Seite unter der Klappe der Tasche hervorlinsten, sahen wir, dass das kein normales Taxi war. Da hatte das Hotel wohl endlich einmal unsere Wichtigkeit erkannt und für einen standesgemäßen Transport mit einer schicken schwarzen Limousine gesorgt. Hah!

Huch, so sieht das also im Taxi aus.

Huch, so sieht das also im Taxi aus.

Irgendwann war die Fahrt dann zu Ende und wir wurden mitsamt Tasche wieder ins Kalte gebracht. Als Norbert einen Blick aus der Tasche warf, traute er seinen Augen kaum: überall fuhren große und kleine LKWs herum, Radlader brummten von links nach rechts und zurück und Kräne kamen immer dann um die Ecke gezuckelt, wenn man nicht mit ihnen gerechnet hat. Wir wurden durch eine Art Sicherheits-Schleuse gebracht und dann ging es auf eine Halle zu. Naja, eher auf etwas, was mal eine Halle werden sollte…

Drinnen angekommen, staunten Norbert und ich noch viel mehr. Viele Menschen waren drinnen unterwegs, liefen um Maschinen herum, schraubten hier und da, zogen Kabel und legten Schläuche. Und obwohl hier schon unheimlich viel drinnen stand, war noch soooo viel Platz. Mein Mensch begrüßte auf dem Weg durch die Halle einige Leute und wurde begrüßt und dann waren wir angekommen. Die Tasche und wir wurden auf einem Schreibtisch geparkt und plötzlich stand mein Mensch in einer Gruppe von Leuten und zeigte hier etwas, erklärte da etwas und schraubte gelegentlich selber sogar an der Maschine herum. Und die anderen Leute um ihn herum schauten zu, machten, was er sagte und stellten Fragen. Hui, mein Mensch ist also als eine Art Lehrer hier. Wow…und das alles auch noch auf Englisch.

Irgendwann verschwanden dann alle und Norbert und ich trauten uns ganz vorsichtig aus der Tasche heraus. Alle Menschen hier trugen Helme, orange oder gelbe Westen und waren dick angezogen (es war ziemlich frisch hier drinnen) und alle waren beschäftigt.
Wir schauten ein wenig in der Halle herum und trauten uns sogar ein bisschen aus der Halle heraus, aber dort fuhren viel zu viele LKWs und andere Baumaschinen herum, dass wir uns ganz schnell wieder in der Tasche verkrochen.

Psst...ganz leise, sonst hört der Mensch uns!

Psst…ganz leise, sonst hört der Mensch uns!

Als unser Mensch mit seinem Ameisenhäuflein wiederkam, griff er die Tasche und uns und wir wurden durch die ganze Halle getragen. Und durch die Halle daneben. Und die daneben. Wow…so viel riesige Maschinen, und alle glänzten und glitzerten und draußen war vielleicht was los. Wir wurden dann aus der Halle heraus und in einen Container hereingetragen. Erst wussten Norbert und ich nicht so richtig, was das sollte, aber dann sah der Container von drinnen aus, wie ein Büro. Und warm war es auch…herrlich.
Hier blieben alle eine Zeit lang und irgendwann ging es wieder zurück an den Schreibtisch in der großen Halle. Spät am Nachmittag war dann Feierabend und wir wurden wieder zum Tor gebracht. Dort hieß es dann erst einmal Abwarten und bald stiegen wir wieder in eine schwarze Limousine. Offensichtlich ging es zum Hotel zurück.

Platt aber glücklich wieder im Hotel.

Platt aber glücklich wieder im Hotel.

Als wir wieder (ziemlich durchgefroren) in unserem Zimmer ankamen, setzte sich sein Mensch an den Computer, und find wie wild an zu schreiben. Naja, nicht gleich. Eigentlich hat er sich erstmal in Schlabberklamotten geschmissen und dann hat er angefangen. Inzwischen fingen Norberts und mein Magen an, fürchterlich zu knurren und deshalb ging unser Mensch mit uns zum Essen. Naja, eigentlich mussten wir uns wieder in der Tasche getarnt ins Restaurant schleichen, denn die Leute im Hotel reagieren ja immer etwas komisch auf uns Insekten.

Was es wohl heute Abend zu Essen gibt?

Was es wohl heute Abend zu Essen gibt?

Aber dafür gab es wieder ganz tolle, leckere Sachen. Als Vorspeise gab es Carpaccio. Das ist rohes Fleisch (Norbert steht da total drauf, ich nicht so sehr…) und dazu gab es Artischocken in Thymiansauce (beinahe wie ein Salat…totaaal lecker) und das Ganze lag auf dem Teller in einer Art Schale. Die sah erst aus wie eine Brot-Schale aber als der Mensch mir davon etwas unter den Tisch reichte, habe ich gemerkt, dass die Schale aus Käse war. KÄSE! EINE SCHALE AUS KÄSE! Ich geh am Stock, war das ein geiles Zeug!

Hinterher gab es dann Ravioli, aber nicht aus der Dose, sondern selbstgemacht und mit einer Füllung aus Fisch. Die waren auch total lecker. Ich glaub, zum Essen sollten wir öfter hier mal herkommen.
Nach dem Essen gingen wir dann wieder aufs Zimmer, und während der Mensch völlig Platt auf dem Bett lag, haben Norbert und ich den Bericht mal eben zu Ende geschrieben. Gut, ob das jetzt alles so stimmt, weiß ich nicht, aber der Mensch wird es sicherlich noch mal lesen, bevor er ihn wegschickt.

Helfen wir dem Menschen doch ein bisschen bei seinem Bericht.

Helfen wir dem Menschen doch ein bisschen bei seinem Bericht.

Als wir dann schließlich im Bett lagen, ist Norbert gleich eingeschlafen und hat fürchterlich angefangen zu schnarchen und darum hab ich noch ein bisschen gelesen und bin dann auch irgendwann eingeschlafen.

Norbert schläft schon. Ich lese noch etwas und dann... zzzZZZzzz

Norbert schläft schon. Ich lese noch etwas und dann… zzzZZZzzz

Über den Autor

Anton Meise

6 Beine, 2 Fühler und 2 neugierige Augen. Unterwegs mit Nobelix - oder auch nicht.

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