Okt 21

Der Keller-Fall 3

Nobelix nahm seine gerade desinfizierte Maske und einen neuen Satz Schutzkleidung zur Hand und war aus dem Büro gelaufen, noch bevor ich wieder in die Tasche schlüpfen konnte. So ein Mist.

Trotzdem setzte ich mich in die Tasche und einige Sekunden später kam er aber schon wieder hereingestürmt. Er griff nach der Tasche, einem neuen Filter für die Atemschutzmaske und seiner Taschenlampe. Dann stürmte er wieder hinaus und wir gingen über das Treppenhaus in Richtung Keller.
Als wir im Erdgeschoss ankamen, waren die beiden Damen am Serviceschalter in heller Aufregung. Ohne sich den Damen zu widmen, legten wir unsere Schutzausrüstung an (Nobelix ganz offensichtlich, ich möglichst leise in der Tasche) und gingen weiter in den Keller hinab, wo es ziemlich laut rumpelte und eine laute Stimme wilde Flüche ausstieß.

Ich stieg aus meiner Tasche und schlich mich langsam an der Decke entlang in Richtung der Stimme, während der Mensch langsam am Boden in die gleiche Richtung ging. Offensichtlich waren mittlerweile mehr Lampen ausgefallen als bei unserem letzten Besuch, denn stellenweise war es stockdunkel. Wir erreichten den Raum, aus dem die Rumpelei und die wilden Flüche kamen und wie durch ein Wunder ging eine der Leuchtstoffröhren sofort an, als ich auf den Schalter trat.

Als sich unsere Augen an das Licht gewöhnt hatten, war es schwer, sich zwischen Lachen und Helfen zu entscheiden. Während ich mir ein Kichern nicht verkneifen konnte, ging Nobelix eher daran, dem immer noch fluchenden Hausmeister unter den Resten eines Regales und einem gigantischen Aktenstapel herauszuhelfen.
Der Hausmeister, mindestens so groß und beinahe so kräftig gebaut wie Nobelix selber, steckte bis zu den Schultern in einem Aktenhaufen. Seine Arme wurden von zwei Holzregal-Hälften beinahe fixiert und die Beine lagen unter einem Ordnerstapel.
Leise kichernd verschwand ich in eine dunkle Ecke und wartete ab, bis der Hausmeister aus seinem Gefängnis befreit war und immer noch laut fluchend verschwand. Meine Güte, bei dem konnte selbst Farfried noch einiges lernen.

Inzwischen war auch der zeitgleich mit uns alarmierte Rettungsdienst angekommen und nahm sich des Hausmeisters an, der zum Glück auf eigenen Beinen bis zum Rettungswagen laufen konnte. Nachdem im Keller so endlich Ruhe eingekehrt war, konnten wir erst einmal die Akten zur Seite räumen und dann in Ruhe die Regale untersuchen.

Auf den ersten Blick schienen die Regale völlig intakt zu sein. Im Raum standen einige Stahlregale und drei Holzregale. Die Stahlregale waren zwar alt aber weder rostig noch morsch oder instabil, aber die Holzregale wackelten schon bei der kleinsten Bewegung. Offensichtlich war hier der Schimmel in die Verbindungselemente eingedrungen und hatte sie geschwächt, denn hier waren auch die Bruchstellen, die dazu geführt hatten, dass der Hausmeister in seine missliche Lage kam.

Nachdem wir diese Schwachstelle entdeckt hatten, machten wir uns auch in den anderen Kellerräumen auf die Suche nach wackeligen Regalen und fanden auch einige. Aber obwohl die Regale durch den Schimmel zwar geschwächt waren, wirkten sie nicht unbedingt akut einsturzgefährdet und auch die Holzstützen, die die Stahlregale an den Wänden und aneinander festhielten, sahen noch recht stabil aus.
Wir gingen einen Raum nach dem anderen ab und fanden zwar jede Menge Akten, Schrott und sonstigen Kram, aber nichts ungewöhnliches.

Nachdem wir unsere Tour durch den Keller beendet hatten und wieder im Büro saßen, war der Kaffee inzwischen kalt geworden und der Feierabend stand verdächtig nah vor der Tür.

<< Der Keller-Fall 2Der Keller-Fall 4 >>

Kommentar? Ja, klar!