Okt 28

Der Keller-Fall 4

Am nächsten Tag wurde Nobelix von seinem Vorgesetzten zu sich gebeten, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Vorerst sollte er sich weiter hauptsächlich um den Archivkeller kümmern. Die übrigen Arbeiten sollten erst einmal zurückstehen oder von anderen Kollegen übernommen werden, denn langsam wurde es den Kollegen nicht nur unheimlich sondern die ersten weigerten sich schlichtweg, auch nur einen Fuß in die Nähe des Kellers zu setzen.

In der Zwischenzeit stand für diesen Tag noch eine Besprechung auf den Kalender. Also für Nobelix, nicht für mich. Er wollte sich mit jemandem von der vorgesetzten Dienststelle, dem stadteigenen Immobilienbetrieb und dem Projektleiter treffen, um das weitere Vorgehen bei der Sanierung zu besprechen.
Während Nobelix also unterwegs war, konnte ich mich in Ruhe dem Computer widmen, um mehr über das Haus und unseren Vorgänger in Erfahrung bringen.

Zum Glück kannte auch ich noch einige Leute in der Gegend. Also hauptsächlich Insekten, aber die kommen immerhin überall hin und kriegen vieles mit und so konnte ich in Erfahrung bringen, dass unser Vorgänger zum Glück nicht wahnsinnig geworden ist. Also nicht in dem Sinne, in dem die Kolleginnen es vermutet hatten.
Dafür wurde er ganz einfach dabei erwischt, wie er Scheiße gebaut hat. Es ging dabei wohl um den Handel mit Daten, die er in seiner vorigen Dienststelle erlangt hatte. Diese hatte er wohl einem „Freund“ gegeben und dafür Gefälligkeiten aller möglichen Art erhalten. Was genau, war dabei nicht in Erfahrung zu bringen, die Beschreibungen reichten von gelegentlichen Essen bis hin zu wilden Orgien mit vielen Frauen, Alkohol und Drogen in teuren Luxushotel-Suiten.
Was auch immer es jetzt wirklich war, offensichtlich reichte es mehr als aus, um ihn aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen.

Nach mehreren Stunden intensiver Recherche kam Nobelix wieder ins Büro zurück. Er war bestens gelaunt und berichtete, dass die Sanierungsarbeiten schon am kommenden Montag anlaufen sollten. Als erstes sollte der Arbeitsbereich eingerichtet werden, Zugangsschleusen aufgebaut werden und ein Unterdruck-Lüftungssystem eingebaut werden. Dafür wurde eine gute Woche angesetzt und dieser Zeitplan auch eingehalten. Dann begannen die eigentlichen Reinigungsarbeiten der Akten.

Die schmimmelbelasteten Aktendeckel wurden mitsamt Inhalt regalweise in Tragegestelle gehängt und in den Arbeitsbereich gebracht. Hier wurden die einzelnen Aktendeckel kopiert, die Kopien auf einen frischen Aktendeckel geklebt und der Inhalt des alten Aktendeckels von Schimmelsporen befreit und die gereinigten Akten im frischen Aktendeckel abgeheftet. Dann wurde diese „neue“ Akte in den Weißbereich, den Bereich für gereinigte Akten, verbracht und dort einsortiert.
Die Reinigung selber war zum Glück relativ einfach möglich, denn die Akten selber hatten keinen echten Bewuchs durch Schimmel. Stattdessen waren die Akten, die einzelnen Blätter und alles, was mit ihnen in Kontakt war, mit Staub bedeckt. Dieser Staub war das eigentliche Problem, denn er bestand zum großen Teil aus Schimmelsporen. Der Bewuchs, der für diese Schimmelsporen gesorgt hatte, saß in einigen Ecken des Kellers im Putz.

So bald nun die Akten aus dem ersten Bereich komplett entnommen, gereinigt und in einem sauberen Bereich wegsortiert waren, sollten die Regale aus dem ersten Bereich entfernt, die mit Schimmel bewachsenen Putzbereiche entfernt und erneuert werden und der ganze Raum wieder neu mit Regalen ausgestattet werden. Aber so einfach wurde das nicht, denn eine Woche nachdem die Reinigungsarbeiten angefangen hatten, klingelte wieder einmal das Telefon.

Wieder einmal waren Regale zusammengebrochen – nur dieses Mal war es nicht so glimpflich ausgegangen.

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