Nov 04

Der Keller-Fall 5

Wieder einmal griff Nobelix nach Schutzkleidung und Maske und machte sich auf den Weg in das Untergeschoss. Wieder einmal nahte der Rettungsdienst und dieses Mal wurde eine Kollegin, die eine Akte zur Reinigung heraussuchen wollte, unter unter einem Regal herausgeholt. Zum Glück war sie zwar nicht all zu schwer verletzt, aber trotzdem wurde das Archiv an diesem Tag für alle Mitarbeiter geschlossen.

Damit mussten alle Akten, die sonst selber herausgesucht werden konnten, per E-Mail bei Nobelix angefordert werden. Dieser sollte dann mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und Schutzkleidung die Akten suchen und reinigen lassen. Gleichzeitig kamen aber auch andere Aufgaben auf Nobelix zu, denn ein größerer Umzug musste koordiniert werden. Das erforderte nicht nur viel Vorbereitungen, sondern auch viel Zeit, so dass er vorerst keine Akten heraussuchen konnte.

Das war natürlich frustrierend für all die Kolleginnen und Kollegen, die Akten mehr oder weniger dringend brauchten. Den Meisten machte es nicht all zu viel aus, aber einige konnten es nicht lassen und gingen selber hinab in den Keller. Natürlich, ohne Schutzkleidung und Atemschutz anzulegen. Und natürlich ohne jemandem davon zu erzählen. Das ging so lange gut, bis noch eine Kollegin verletzt wurde. Sie konnte sich zwar aus eigener Kraft befreien, war aber dann erst einmal krankgeschrieben.

Als sie wieder im Dienst war, waren mittlerweile auch die Umzüge, die Nobelix organisieren musste, erledigt. Insgesamt 200 Mitarbeiter wurden aus mehreren Gebäuden herausgeholt und in ein neues Bürogebäude gesetzt, da die bisher über die halbe Stadt verteilten Fachleute für ein bestimmtes Gebiet zusammengefasst werden sollten. Gleichzeitig sollten der Amtsleiter und sein Stab auch mit in das neue Gebäude mit umziehen – also auch wir.
Nachdem das erledigt war, konnte Nobelix sich wieder verstärkt um das Archiv kümmern, denn in der Zwischenzeit habe ich zwar die Aktenanforderungen sammeln und entsprechende Informationen herausgeben, aber so wirklich traute ich mich nicht alleine in den Keller hinein. Dummerweise mussten wir dazu jedes Mal durch die Innenstadt und waren allein 20 Minuten unterwegs, nur um zu unserem alten Dienstgebäude zu kommen. Sehr lästig.

Als wir nach den Umzügen zum ersten Mal wieder zusammen in den Keller gingen, hatte ich allerdings das Gefühl, dass sich etwas verändert hatte. Einige Regale standen anders und die Wände waren irgendwie…beschmiert. Als ich drüberwischte, ging ein Teil der Farbe ab und blieb an meiner Hand hängen. Es sah aus wie Kohle.
Aus Neugier schauten wir uns die anderen Räume des Kellers an. Da wo die Deckenlampen nicht funktionierten, leuchteten wir mit Taschenlampen hinein und stellten erstaunliches fest: die – na nennen wir sie mal Wandzeichnungen – erstreckten sich über alle Räume des Kellers. Alle, bis auf einen, den ehemaligen Kohlenkeller. Dafür war hier ein Wort mit weißer Kreide an die Wände geschrieben: Hier!

Gleichzeitig schauten wir uns noch einmal die Regale an. Sowohl die, die unter der Last der Akten zusammengebrochen sind, als auch die, die noch standen. Dabei zeigte sich nicht wirklich etwas besonderes. Weder an den noch stehenden Regalen noch an den zerstörten war etwas zu erkennen. Nur einige Schrauben schienen etwas stärker verrostet zu sein, als andere. Das konnte aber ohne weiteres an schlechtem Material oder Fehlern bei der Herstellung liegen. Also hieß es für uns wieder „Zurück ins Büro“ – Nobelix musste sich um die Kollegen kümmern, die Akten angefordert haben und ich nahm mir noch einmal die Informationen zur Geschichte des Gebäudes vor.

Und so ganz nebenbei hatte mittlerweile der Amtsleiter auch noch einen ausführlichen Bericht angefordert, den Nobelix abliefern musste. Am nächsten Morgen.

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