Nov 08

Der Keller-Fall 6

Der Termin beim Amtsleiter schien ganz gut gelaufen zu sein, denn Nobelix kam nach etwas über einer Stunde gut gelaunt in unser Büro zurück. Leider stand dafür meine Suche nicht unbedingt unter einem ebenso guten Stern, denn sie erbrachte nicht viel.

Trotz der tatkräftigen Mithilfe von Farfried, der heute zum ersten Mal mit ins Büro gekommen war, konnten wir nicht viel in Erfahrung bringen. Trotzdem meinte Nobelix, wir sollten dranbleiben. Er hatte dazu noch einige Namen und Telefonnummern bekommen, die eventuell weiterhelfen können. Darunter war auch die des letzten hauptamtlichen Archivars. Quasi ein letzter Strohhalm.

Während Nobelix schon wieder zur nächsten Besprechung von dannen zog, telefonierten Farfried und ich eine Weile herum und bekamen weitere Namen und Adressen. Teilweise bekamen wir sogar E-Mail-Adressen, was durchaus ein wenig ungewöhnlich zu sein schien. Auch den letzten hauptamtlichen Archivar konnten wir dank des Namens auftreiben. Leider konnte er uns so gar nicht mehr weiterhelfen. Ganz im Gegenteil, er wusste nicht einmal mehr, wer er war und dass er einst Archivar gewesen ist.

Trotz dieses Rückschlages und der anderen eher weniger großen Erfolge waren wir bei unserer Recherche im Netz durchaus erfolgreich. Gut, wir haben zwar nicht viel gefunden und die Quelle war mehr als nur zweifelhaft, aber das, was wir gefunden haben, war um so interessanter.
In einem Forum für allgemeine Verschwörungstheorien fanden wir den Hinweis darauf, dass es vor vielen Jahren dort im Keller einen mysteriösen Todesfall gab. Den Gerüchten zufolge kam damals(tm), als das Gebäude noch mit der ursprünglichen Kohleheizung geheizt wurde, Bertram Eilenburg, einer der Heizer unter ungeklärten Umständen zu Tode. Eines Tages wurde sein Leichnam unter einem großen Kohlehaufen gefunden.

Das mussten wir natürlich sofort Nobelix stecken. Na ja, „sofort“ ist relativ, denn Nobelix steckte im Moment bis zum Hals in einer Besprechung. Aber so bald er dort wieder herauskommen würde…
Das dauerte zum Glück gar nicht mal so lange und kurz darauf steckten wir im Büro die Köpfe zusammen und grübelten über Namen, Daten und Begebenheiten und versuchten herauszufinden, was wahr und was dazuerfunden war.

Als Nobelix aus seiner Besprechung zurückgekommen war, brachten wir ihn erst einmal auf den neuesten Stand. Dann begannen wir, alle möglichen, passenden, sicheren und unsicheren Daten zusammenzufassen und irgendwie zusammen zu bestätigen oder auszuschließen.
Wir waren gerade dabei zu überlegen, wie wir an mögliche Akten aus der damaligen Zeit kommen könnten, als sich plötzlich die Bürotür öffnete und der Amtsleiter seinen Kopf hereinstreckte. Dummerweise haben weder Farfried noch ich es nicht mehr geschafft, unauffällig aus dem Sichtbereich zu hüpfen. Erschwerend kam noch dazu, dass wir alle wie wild auf den Tastaturen herumhackten – Nobelix, um Suchmaschinen vom Dienstrechner aus mit Anfragen zu füttern, ich verschickte gerade E-Mails vom Laptop über dubiose Wege an fragwürdige Empfänger – oder irgendwo im Raum unterwegs waren – Farfried pendelte zwischen Boden, Besprechungstisch und Whiteboard, um Daten zu sammeln, zu sichten und zu ordnen.

Noch bevor wir beide unsere Überraschung verdaut hatten, verschwand der Kopf wieder und die Tür ging wieder zu. Verdammt.

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