Nov 11

Der Keller-Fall 7

Das war ja mal eine ungünstige Begegnung. Kurz, aber ungünstig. Darum dauerte es auch gar nicht lange, bis das Telefon klingelte. Der Amtsleiter. Nobelix nahm den Hörer ab und brummte etwas hinein. Dann drückte er den Lautsprecher-Knopf des Telefons und ich konnte mithören, was am anderen Ende gesprochen wurde:

„Komm mal kurz zu mir ins Büro. Und bring…wer auch immer das ist, bring sie mit. Aber so, dass es möglichst keiner mitkriegt.“

Da bleibt einem kaum eine andere Wahl, dachte ich mir und stieg wieder in die bewährte Tüte, während Farfried sich irgendwie mit dazuquetschte, und schon ging es los. Beim Chef angekommen, wurden wir von der Kollegin im Vorzimmer gleich durchgeschleust und am Besprechungstisch geparkt. Dann wurde die Tür von außen geschlossen und der Amtsleiter setzte sich mit an den Tisch.

„Also habe ich doch richtig gesehen vorhin? Eine Ameise und einen Drachen?“

„Ja“ antwortete ich, ohne groß darüber nachzudenken.

„Gut – ich dachte schon, ich wäre der einzige hier.“ Wir hörten eine neue Stimme, aus einer anderen Richtung. Aus Richtung des Schreibtisches. Und kurz darauf sahen wir auch, wem diese Stimme gehörte. Einem Flugsaurier, anscheinend ein Verwandter unseres alten Freundes Airwin.

So langsam entspannten wir uns ein wenig und erzählten, wie es dazu kam, dass ich hier war. Anscheinend war ich außer dem Flugsaurier vom Chef tatsächlich der einzige nichtmenschliche Mitarbeiter (oder vielmehr Helfer) hier in der Behörde. Und offensichtlich waren wir nicht wirklich gern gesehen. Also nicht von den Menschen, die uns kannten – aber von all denen, die nichts von unserer Existenz wussten. Darum waren wir auch nicht wirklich überrascht, als der Chef das Wort ergriff.

„Ich hab zwar nichts dagegen, dass ihr mit hierherkommt“, sagte er und schaute dabei Farfried und mich direkt an. „Aber ich denke, es ist besser, wenn ihr hier aus der Schusslinie verschwindet. Ich denke auch, dass ihr unbedingt an der Archivsache dranbleiben solltet. Irgendetwas läuft da gewaltig schief und ich will nicht, dass das komplett aus dem Ruder läuft. Wir haben genug schlechte Presse im Moment, da können wir noch mehr davon nicht gebrauchen. Drüben sind im Erdgeschoss noch zwei große Büros frei. Quartiert euch da ein, aber bleibt außer Sicht.“ Wieder ein Blick zu mir. „Ich informiere den Dienststellenleiter drüben und ihr habt freie Hand für das Archiv. Aber dafür will ich wissen, was zur Hölle da passiert ist. Oh, und Möbel organisiert euch über den Hausmeister.“

Nobelix nickte leicht. „So schnell wie möglich?“

„Ja. Ich will euch nicht loswerden, aber es ist zu eurem Besten. Ihr berichtet direkt an mich und ihr nehmt Anweisungen nur von mir entgegen. So lange, bis ich etwas anderes sage. Wenn einer Fragt, schickt ihn zu mir. Direkt. In Ordnung?“

„Ja. In Ordnung.“ echoten Nobelix, Farfried und ich beinahe gleichzeitig.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, unsere Sachen wieder in Umzugskartons zu verstauen und die Vorgänge, die wir nicht mehr bearbeiten sollten, zu übergeben. Sogar zwei Laptops sollten uns zur Verfügung gestellt werden, allerdings würde das noch ein paar Tage dauern. Gegen 16 Uhr waren wir dann so weit fertig, dass wir – also Nobelix, ich sollte ja erst mal außer Sicht bleiben – die Kartons im Auto verstauen konnten und noch am gleichen Abend in unser neues Reich bringen konnten.

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Kommentar? Ja, klar!