Nov 15

Der Keller-Fall 8

Am nächsten Morgen fingen wir in Ruhe an, den Inhalt unserer Kartons auf die vorhandenen Büromöbel zu verteilen, als die ersten Besucher des Tages bei uns hereinschneiten. Als erstes Tauchte der Hausmeister auf. Er hatte von irgendjemandem einen dezenten Hinweis bekommen, dass wir wieder einziehen würden. Nachdem er mit Nobelix kurz darüber gesprochen hatte, was wir noch an Schränken, Schreibtischen und ähnlichen Sachen brauchen würden, verschwand er allerdings recht schnell wieder und wir räumten weiter unseren Kram ein.

Gegen Mittag klopfte es dezent an die Tür und ein Kollege aus der IT-Abteilung brachte eine ganze Sackkarre an Material herein. Zwei Laptops, komplett mit Dockingstation, Monitor, Tastatur und Maus und einen zusätzlichen Drucker stapelten sich kurz darauf auf den Schreibtischen und waren eine gute Stunde später angeschlossen und ordentlich verteilt.
Nachdem unser ITler wieder verschwunden war, wollten wir uns eigentlich für eine Stunde zum Mittagessen absetzen, aber kaum wollte Nobelix die Jacke anziehen, ging die Tür auf. Dieses Mal ohne dass der Neuankömmling angeklopft hatte.

In der Tür stand der Dienststellenleiter. Ich schaffte es gerade eben noch, mich im Jackenärmel zu verkriechen und Farfried plumpste reichlich unelegant hinter einen Schreibtisch, als er schon lospolterte:

„Was auch immer Sie hier vorhaben: hier passiert nichts, ohne dass ich es genehmige. Wenn Sie hier ihr Büro haben, unterstehen Sie mir. Haben wir uns da verstanden?“

Ich schob mich langsam den Ärmel hinunter und schaute hinaus. Nobelix schaffte es gerade noch, sich nicht an den Kopf zu fassen. Jedenfalls wirkte sein Gesichtsausdruck so.

„Na ja, der Amtsleiter sieht das anders“ meinte Nobelix einigermaßen ruhig. „Der hat mir nämlich gesagt, dass ich hier nur einqartiert wurde, um näher am Archiv zu sein – um die Arbeiten besser überwachen zu können. Und um weitere Unfälle zu verhindern.“

Das wiederum schien dem Dienststellenleiter nicht wirklich zu gefallen. Zum Glück murmelte er sowas wie „Das werden wir ja noch sehen“ in seinen nicht vorhandenen Bart und verschwand wieder. Ich tauchte langsam wieder aus dem Jackenärmel aus und schaute Nobelix an.

„Das war ziemlich knapp. Und er hat mal wieder unheimlich gute Laune gehabt“, sagte ich, als ich mich in die Umhängetasche fallen ließ. „Ich hoffe, der entspannt sich noch. Wirkt fast, als hätte er Angst, dass du ihn kontrollieren sollst.“

„Ja, scheint so“, meinte Nobelix. „Ich glaube, er steht auch ziemlich unter Druck nach dem letzten Regaleinsturz. Zum Glück geht es der Kollegin wieder besser.“

„Na, was hat die da unten auch verloren?“ fragte ich eher in den Raum als jemanden bestimmtes.

„Manche können halt nicht auf ihre dämlichen Akten warten.“ murmelte Nobelix, als er die Tasche griff und wir uns auf den Weg zum Mittagessen machten. Farfried machte sich inzwischen daran, die Rechner in Betrieb zu nehmen, die E-Mail-Konten einzurichten und bat darum, dass wir ihm etwas zu Essen mitbringen.

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