Nov 18

Der Keller-Fall 9

Als wir mit vollgeschlagenen Bäuchen und in Begleitung eines eingepackten Sandwiches für Farfried wieder in unserem neuen Büro ankamen, erwartete uns eine Überraschung:
Farfried hatte nicht nur die Rechner in Gang gebracht und noch einige Möbel vom Hausmeister organisiert, er hatte auch die Informationen mehr als gründlich strukturiert, bewertet und aufbereitet.
Dazu lümmelte er mit ausgestreckten Beinen auf einem knallroten Sofa, das an der Seitenwand des Raumes aufgestellt war. Wo er das nun wieder aufgetrieben hatte, wollte ich gar nicht wissen…glaube ich. Nobelix zog nur eine Augenbraue hoch und ließ sich auf seinen Schreibtischsessel sinken.

„Das Sofa hat der Hausmeister reingebracht, kaum dass ihr weg wart“ eröffnete uns Farfried. „Ich glaube, er sagte sowas wie ‘Das braucht der Dienststellenleiter in seinem Besprechungsraum sowieso nicht mehr’.“ Geschickt fing er das Sandwich auf und fing an, es von der Verpackung befreien. Kurz darauf fuhr er kauend fort:
„Also die Informationen waren gar nicht so schwierig zu durchblicken. Es wirkte nur so verworren, aber anscheinend ist da unten etwas echt abgefahrenes passiert. Ich bin an einen alten Ermittlungsbericht gekommen, dadurch wurde einiges klarer, aber lest mal lieber selbst. Dann kann ich in Ruhe essen…“
Dann war nur noch Schmatzen zu hören.

Nobelix rollte mitsamt seiner Sitzgelegenheit zur Wand, an der diverse Dokumente hingen, und nahm einen zusammengehefteten Stapel Seiten ab.
„Ich will gar nicht wissen, wie du an diesen Bericht gekommen bist!“ meinte er leise und fing an, die Seiten durchzublättern. Dann hielt er plötzlich inne, blätterte eine Seite zurück und stieß einen leisen Pfiff aus.
„Das ist interessant: der tote Heizer hatte zwar starke Kopfverletzungen, aber in der Lunge war erstaunlich wenig Kohlenstaub, dafür dass er angeblich von abrutschender Kohle verschüttet wurde. So wie es aussieht, hat er schon nicht mehr geatmet, als er unter der Kohle begraben wurde.“

„Aber das würde ja heißen, er wäre schon tot…“ ich hielt inne. „Sagt mal, war nicht Kohle zwischen den Akten aufgetaucht? Also vor allem zwischen Akten, die erst deutlich nach dem Heizungsumbau eingelagert wurden und gar nicht mehr mit der alten Heizung in Kontakt gekommen sein können?“

„Ja, allerdings. Und schaut euch mal den Abschnitt über die Form der Kopfverletzungen an“, meinte Farfried zwischen zwei Bissen.

Nobelix blätterte weiter. „Also laut diesem Bericht ist ein Teil der Verletzungen nicht auf die Kohle zurückzuführen. Wenn man den damaligen Ermittlern glauben soll, ist dem Heizer wohl die Schaufel so unglücklich durch die rutschende Kohle weggerissen worden, dass sie ihn erschlagen hat. Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ICH glaube da eher weniger dran. Was sagen denn die anderen Quellen?“

„Naja“, schmatzte Farfried, „es gibt einige sehr dubiose Quellen im Netz. Dort ist die Rede davon, dass es damals tatsächlich einen Mord gegeben hat. Es soll wohl damals um eine Frau gegangen sein.“

„Was auch sonst?“ entfuhr es mir eher unwillkürlich.

„Ja eben, was auch sonst?“ brummelte Farfried. „Leider war nur diesmal nicht der Gärtner der Mörder, sondern ein Haufen Kohle. Jedenfalls wurde das als Todesursache im offiziellen Bericht angegeben. Aber die Namen des zweiten Heizers und der Frau, um die es laut dem Internet gegangen sein soll, stehen im Bericht drinne. Meine Quelle bei der Polizei hat mir sogar die aktuelle Meldeadresse rausgesucht.“

„Du hast eine Quelle bei der Polizei? Wieso hast du da nie etwas von gesagt?“

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Kommentar? Ja, klar!