Nov 22

Der Keller-Fall 10

„Ich musste es ihr versprechen!“ entfuhr es Farfried. Das wurde ja immer interessanter. „Wisst ihr noch, als ich mich letztes Jahr bei dieser Singlebörse angemeldet hatte? Naja, ich hab damals jemanden kennengelernt. Eine Drachendame. Ihr Mensch – oder vielmehr ihre Menschin ist bei der Polizei. Und auch, wenn damals nicht mehr aus uns geworden ist, sind wir immer noch befreundet.“

„Na fantastisch. Das ist genau das, was der Chef mit ‘aus der Schusslinie bleiben’ meinte“, grummelte Nobelix. „Aber gut, erzähl, was hast du noch herausbekommen?“

Farfried knüllte die Verpackung seines Sandwiches zusammen und warf sie zielsicher und ohne hinzusehen in den Mülleimer. „Arnold Jäger, der zweite Heizer hat danach nicht mehr weiter hier gearbeitet. Hat sich einen Job im Hafen gesucht. Gut ein Jahr nach dem Vorfall hat er geheiratet, eine Mathilde Goldenkranz. Und die war – jetzt kommt es ganz dicke – bis zu seinem Tod mit Eilenburg verlobt.“

Nobelix lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Ich weiß zwar nicht, was dich dieser Bericht gekostet hat, aber das war es wert. Mehr als das.“

Farfried atmete tief durch. „Ein Essen. Mit ihrer Menschin und dir. Sie wollte es so.“

„Na zum Glück hat sie nicht auch noch gesagt, wann und wo das stattfinden soll“, grinste ich in die Runde. Außerdem gibt es schlimmeres. Sie hätte auch sagen können, dass du ihr einen Gefallen schuldest. Und wenn sie dann angekommen wäre, hättest du nicht nein sagen können.“

„Naja, den Gefallen schulde ich ihr trotzdem“, grummelte Farfried vor sich hin. „Aber immerhin habe ich noch mehr: Jäger lebt gar nicht weit weg von hier, hinten in der Bogenstraße. Ist dem Hafen treu geblieben. Seine Frau ist vor drei Jahren schon gestorben und liegt – na ratet wo – in Walle auf dem Friedhof.“

„Na dann lass uns mal hinfahren“, meinte Nobelix und stand auf, um nach seiner Jacke zu greifen.

„Moment!“ warf ich ein. „Was erzählen wir dem Kerl denn nu überhaupt? Wir können ja nicht einfach sagen, dass wir einen Fall von vor 40 Jahren wieder aufrollen.“

Nobelix hielt inne und ließ sich wieder in seinen Schreibtischsessel sinken. „Stimmt. Aber ich hab da eine Idee. Farfried, ruf doch noch mal deine Freundin an. Wenn mich das schon ein Essen kostet, dann soll es sich wenigstens lohnen. Bring sie auf Stand und sag ihr, wir treffen uns mit ihrer Menschin dort.“

Farfried griff nach dem Telefon und wählte. Nach nicht mal einer Minute legte er den Hörer schon wieder auf. „Sie sagt, im Moment ist ihre Menschin in einem anderen Fall unterwegs. Aber in zwei Stunden sollte es passen.“

„Na wunderbar. Das erklärt zwar immer noch nicht, was zur Hölle da unten genau passiert ist, aber es ist schon mal ein Anhaltspunkt. In der Zwischenzeit können wir die ganzen Unterlagen mal zusammenstellen, damit wir nicht ganz doof dastehen“, meinte ich und als wir damit fertig waren und das Dossier aus dem Drucker kam, mussten wir auch schon los.

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