Nov 29

Der Keller-Fall 12

Später erzählte Nobelix dann, dass Herr Jäger zwar zuerst gesagt hat, dass er sich an nichts erinnere, aber der alte Ermittlungsbericht hätte ihm wohl etwas auf die Sprünge geholfen. Es habe jedenfalls nicht all zu lange gedauert, bis er beinahe weinend erzählt hat, was damals wirklich passiert ist.

Arnold Jäger und Bertram Eilenburg fingen seinerzeit gleichzeitig als Heizer an. Sie verstanden sich von Anfang an gut miteinander und wurden bald Freunde. Aber wie es manchmal so ist, hört auch die beste Freundschaft irgendwann auf. Bei Arnold Jäger und Bertram Eilenburg war dies der Fall, als sie sich in die gleiche Frau verliebten – in Mathilde Goldenkranz.
Es gab ein wildes hin und her und wer nun die Nase vorn hatte, war lange nicht klar. So lange, bis eines Tages Bertram Eilenburg und Mathilde Goldenkranz ihre Verlobung bekanntgaben.

Zu diesem Zeitpunkt zerbrach die Freundschaft zwischen Jäger und Eilenburg vollends. Aber beide mussten noch miteinander arbeiten und obwohl man sich so gut es ging aus dem Weg ging, ließen sich manche Begegnungen einfach nicht vermeiden. So auch an dem Tag, als eine größere Kohlenlieferung anstand.
Während Jäger im Innenhof die Kohlesäcke vom LKW zur Rutsche in den Kohlenkeller trug, verteilte Eilenburg die Kohlesäcke im Keller, öffnete sie und lagerte die Kohle so dass möglichst keine steilen Kanten entstanden. Dieses Vorgehen wurde schon länger so praktiziert und hatte sich bewährt. Allerdings stapelten sich die Säcke am Ende der Rutsche so unglücklich hoch auch, dass dort mit jedem ankommenden Sack die „Wand“ aus Kohlesäcken instabiler wurde. Als Eilenburg nun versuchte, den nächsten Sack aufzunehmen und zur anderen Kellerseite herüberzubringen, brach die Kohlewand zusammen. Die Säcke rissen auf und die Kohle rutschte durch den gesamten Keller. Dabei wurde Eilenburg von der losen, rutschenden Kohle erfasst und als Jäger, durch das Geräusch der stürzenden Kohle alarmiert, im Keller ankam, fand er Jäger schwer verletzt unter der Kohle begraben. Die Schaufel, die Jäger an einen Haufen Kohlesäcke angelehnt hatte, wurde durch die rutschende Kohle durch den Keller geschleudert und verletzte Jäger dabei am tödlich am Kopf. Durch die nachrutschende Kohle wurde Jäger dann komplett begraben.

Nachdem dieser Unfall aufgeklärt war, wurde die Kohleheizung nie wieder in Betrieb genommen und gegen den Anschluss an das moderne Fernwärmenetz ausgetauscht.
Jäger und die Verlobte des Toten fanden im darauf folgenden Jahr langsam zusammen und beschlossen, ihrerseits zu heiraten.
Der ganze Vorfall geriet dann über die Jahre in Vergessenheit und auch um den Keller hat sich nicht wirklich jemand gekümmert. Dann benötigte das Amt größere Flächen, um dort alte Akten archivieren zu können, und da kam der Keller gerade richtig. Um die Vergangenheit kümmerte sich da schon niemand mehr und nur noch der Archivar verbrachte den ganzen Tag dort unten.

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