Dez 06

Der Keller-Fall 14

Nachdem Herr Jäger sich einigermaßen wieder gefasst hatte, brachten wir ihn wieder nach Hause und sorgten dafür, dass er den Abend nicht alleine verbrachte. Seine Kinder wohnten zum Glück nicht weit entfernt und erklärten sich bereit, sich um ihn zu kümmern.

Am nächsten Morgen trafen wir uns, um unseren Abschlussbericht zu schreiben. Ich war gespannt, wie die Reaktion unserer Chefs drauf ausfallen würde. Felicia meinte, das würde es schon ganz gut treffen, die Reaktion würde ausfallen. Also so, als hätte es nie einen Bericht oder die Vorfälle gegeben. Das wäre immer so, wenn ein Fall abgeschlossen wäre. Nachdem wir alles per E-Mail verschickt hatten, würde hoffentlich alles wieder in geordneten Bahnen laufen und das Archiv könnte endlich weiter saniert werden. Felicia und Julia machten sich wieder auf den Weg in ihre Dienststelle und wir freuten uns auf den Feierabend an diesem mittlerweile warmen Nachmittag.

Eine Reaktion auf den Bericht kam am Ende doch. Eine Stunde, nachdem wir die Mail abgeschickt hatten, ging die Tür auf und der Amtsleiter kam herein. Er schaute in die Runde und setzte sich kommentarlos auf das Sofa.

„Ihr habt euch schon gut eingerichtet hier, was?“, grinste er. „Aber gewöhnt euch nicht zu sehr daran. So wie es aussieht, wird sich doch noch einiges ändern. Die Archivsache hat mächtig Wellen geschlagen. Zum Glück nicht so sehr in der Öffentlichkeit, aber in den oberen Etagen. Anscheinend ist man so langsam auch da dahinter gekommen, dass es mehr gibt, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Und das nicht alles, was man da so entdeckt, lieb und nett ist. Man redet davon, eine Art Sonderermittlungsgruppe einzurichten – und eure Namen sind gefallen. Leider. Und Niedersachsen will auf den Zug aufspringen, wo wir ja schon ‚Fachleute‘ haben.“

„Ernsthaft? Wer hat sich sowas denn ausgedacht?“ Farfried fand als erster seine Sprache wieder, während unsere Unterkiefer immer noch irgendwo auf Höhe der Teppichkante herumlungerten. „Nein, wirklich. Wer denkt sich sowas aus? Wenn einer Scheiße baut, ist das nen Fall für die Polizei. Egal, ob Viech oder Mensch.“

„Ja, ganz so einfach ist das nun mal nicht. Wie ihr ja wisst, hat ein Teil der Menschen immer noch nicht richtig verdaut, dass ihr lebt.“ Der Chef kam so langsam richtig in Fahrt. „Und nicht nur, dass die Geister unruhig sind, offensichtlich gibt es noch mehr, die sich nicht wirklich an das halten, was irgendwann mal als Recht und Ordnung festgelegt wurde.“ Er griff in seine Jackentasche und warf die Kopien einiger Presseartikel auf den Tisch.

‘WALPURGISNACHT STEHT WIEDER BEVOR – WIE VIELE VERLETZE GIBT ES DIESES JAHR?’
‘EROBERN HEXEN WIEDER DIE INNENSTADT?’
‘HEXENTANZ IN BREMEN – GIBT ES WIEDER CHAOS?’

„Scheiße!“, entfuhr es Farfried, als er die Schlagzeilen las.

„Und jetzt liegt allen Dienststellen und Behörden auch noch eine formelles Auskunftsersuchen des Bundesamtes für magische Wesen vor. Die wollen wissen, wie wir – also die Bremer Behörden – auf diese Lage reagieren werden.“ Jetzt war der Chef auf voller Drehzahl angekommen. „Im Moment hauen sich die Senatoren darum, in welchem Ressort die Einheit aufgestellt wird. Inneres ist ganz vorne mit dabei, aber einige meinen, Soziales und Integration soll sich darum kümmern.“

„Offensichtlich legt man den Begriff ‘Integration’ da besonders weit aus“, fuhr Farfried dazwischen.

„Eben. Und da kommt ihr wieder ins Spiel. Besonders, nachdem ihr euch ja schon erfolgreich mit einem Geist oder Gespenst beschäftigt habt. Aber gut, macht erst einmal Feierabend. Mach ich auch. Heute passiert nichts mehr. Morgen sehen wir weiter.“ Mit diesen Worten stand der Chef auf und verschwand.

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Kommentar? Ja, klar!