Dez 13

Das verlorene Mixtape 2

Mit einem Puffen und Zischen kam der Bus Zentimeter vor der Oma zum halten – während selbige stehen blieb, sich am Ohr kratzte und dann ihren Weg in aller Seelenruhe fortsetzte.

Nachdem dieses Reisehindernis geschafft waren, konnten wir uns (natürlich immer noch als einzige Fahrgäste in diesem Bus) auf den Weg machen – und Anton konnte seine Insektoogle-Suchanfrage endlich auf den Weg ins wilde weite Web schicken. Er drückte wie wild auf dem Display herum, als endlich die Ergebnisse eintrudelten (also im wahrsten Sinne des Wortes, denn Insektoogle ist da etwas…schräg) und las dann leise vor:

„Frans Holland ist der Vorsitzende des Nordmittelsüdwestdeutschen Coiffeur-Interessenverbandes NCIV. Er gilt als Mäzen und Schutzheiliger der Friseure, seit er unter dem Namen Francois Hollande für das unerklärliche Überleben eines Friseurs sorgte – denn einen Effekt hat der Friseurbesuch bei ihm nie gezeigt.“

Farfried stöhnte leise auf. „Ich hab es doch geahnt. Immer so schräge Typen. Warum immer wir?“ während Anton weiter vorlas:

„Frans Holland verschwand vor wenigen Jahren. Mit seinem Verschwinden löste sich auch der NCIV auf, da der Verband nach dem Verschwinden von Holland nicht mehr über ausreichend liquide Mittel verfügte, um seine luxuriösen Geschäftsräume halten zu können.“

„Keine Liquiden Mittel mehr? Denen ist wohl das Haarwasser ausgegangen?“ feixte Farfried, während ich verzweifelt überlegte, an was genau ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnern konnte. Moment mal…ja klar.

„Erinnert ihr euch noch an den Prunkbau in der Innenstadt? Der, der vor zwei Jahren umgebaut wurde?“ fragte ich die Jungs.

„Ja klar, wegen der Baustelle haben wir doch wochenlang morgens im Stau gestanden.“ Anton rieb sich einen seiner Fühler. „Was haben die gleich noch mal aus dem Gebäude gemacht? Ich glaube, das ist eine Art Shopping-Mall geworden, oder?“

„Richtig. Nur Schrott und Billigläden waren da drin. Ich glaub, das hat sich auch nie richtig rentiert“ grummelte Farfried. Offensichtlich bekam er so langsam Hunger, denn das Grollen seines Bauches war selbst über dem Motorgeräusch des Busses mehr als deutlich zu hören.

„Ich glaub, da ist nur noch ein Musikladen drin.“

Mittlerweile waren wir an der Umsteigehaltestelle angekommen, wo wir in die Straßenbahn wechselten. Auch hier war nicht viel mehr los. Das Einkaufscenter war wie ausgestorben, der Himmel wirkte bedrohlich. Der Abfahrtanzeiger zeigte -1 Minute bis zur Abfahrt der Bahn.

Typisch – die Busse sind nie pünktlich, egal wann man fährt.

Kaum saßen wir, da schlossen sich die Türen. Aber noch bevor sich die beiden Türflügel ganz geschlossen hatten, sprang Anton wieder auf, nahm das Handy, hob die linke Hand und hielt das Handy mit der rechten direkt vor den Lichtschrankensensor der Tür. Selbige machte natürlich auf der Stelle kehrt, öffnete sich und kurz darauf sprang eine Kakerlake durch die Öffnung, klatschte Antons hochgehaltene Hand ab und entsorgte einen fast aufgegessenen Apfelrest im hohen Bogen durch die sich wieder schließende Tür.

„Starker Auftritt Norbert“ grinste ich, während Farfried ein wenig neidisch dem wegfliegenden Apfelrest nachsah. Als Antwort erhielt ich ein respektablen Rülpser. DAS, liebe Freude, ist Norbert. Norbert ist eine echte Seele und ein guter Freund. Und er ist eine Küchenschabe. Mit Leib und Seele.

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Kommentar? Ja, klar!