Dez 20

Das verlorene Mixtape 4

„Du kennst sie?“ fragte Farfried, der als erster seine Sprache wiederzuerlangen schien.

„Ja, das ist Hertha. Hertha Horn. Meine Mitbewohnerin.“ Mittlerweile grinste Norbert breit und machte sich auf den Weg zum Pult.

„Tzes, das hätte er ja ruhig mal sagen können. Das ist übrigens ziemlich guter Stoff hier.“ meinte Anton und grinste selig in die Runde. Farfried quittierte das mit einem „Stimmt schon. Hier lässt es sich aushalten“ und stieß einen Rauchring aus der Nase in die Luft. Inzwischen kam Norbert mit dem geflügelten Einhorn im Schlepptau wieder zurück an die Theke.

„Leute, das ist Hertha Horn. Chefin von dieser leibhaftig gewordenen Zeitreise und meine Mitbewohnerin“ stellte er sie vor. „Hertha, das sind Anton Meise, Farfried Freiherr von Feuerschein und Nobelix. Alte Freunde von mir.“

„Schicker Schuppen ist das hier“ brummelte Farfried in sein Glas. „Farfried reicht übrigens völlig. Ländereien hat meine Familie schon lange nicht mehr. Zu viele Ritter, die zu viele Drachen gejagt haben…“

„Herzlich Willkommen und schön dass es euch gefällt“ lächelte Hertha Horn und nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas, das ihr der Barkeeper kommentarlos hingestellt hatte. Der Inhalt sah ebenfalls verdächtig nach Pernod-Cola aus. Anton griff in seine Tasche und holte den zettelartigen Streifen, den das Gespenst hinterlassen hatte, hervor.

„Sag mal“, begann er vorsichtig, „hast du mal was von Frans Holland gehört? Der soll wohl mal ein großes Tier in der Friseurszene gewesen sein.“

Hertha kratzte sich am Hornansatz. „Ja, der Name sagt mir was.“ Dann beugte sie sich über den Tresen und pfiff schrill zwischen den Zähnen hindurch. „Marko, lauf mal schnell in mein Büro und bring mir den gelben Ordner vom Schreibtisch. Husch husch!“ Marko, der Tom-Selleck-Verschnitt hinter der Theke, tat wie ihm geheißen und verschwand hinter einem Vorhang, um kurz darauf wieder mit einem Ordner zu erscheinen.

„Danke mein Süßer“ flötete Hertha, zwinkerte ihm zu und wandte sich dann dem Ordner zu. Sie blätterte wild in den Seiten umher – vor, zurück, dann übersprang sie gleich einen Stapel Papier, nur um wieder einige Seiten zurückzublättern.

„Ah, da ist es ja. Stimmt, Frans Holland hat die ganze Bude mal gehört. Als wir hier eingezogen sind, haben wir noch ein bisschen umgebaut. Schallisolierung und so, Dabei sind wir auf einen versteckten Raum gestoßen. Ich glaube, der eigentliche Eingang dazu war eine Art Geheimtür oder so, denn als wir durch die Mauer durchgebrochen waren, konnten wir von dem Raum aus problemlos in den Bonbonladen nebenan schleichen. Das muss hier als eine Art Safe gedient haben, denn neben unglaublich vielen Friseurscheren waren hier auch Pokale und Preise von irgendwelchen Wettkämpfen gelagert.“

Staunend hörten wir Hertha zu, als sie beschrieb, was hier los war, als der Fund des geheimes Raumes bekannt wurde. Offensichtlich hat die halbe Friseurszene völlig verrückt gespielt und sich beinahe um die gefundenen Gegenstände geschlagen.

„Die Versteigerung fand bei Sotheby’s in Hamburg statt. Selbst Udo Walz war da. Das war ein ganz schöner Rummel. Aus dem Versteigerungserlös wurden die letzten Schulden des Verbandes bezahlt. Natürlich habe ich meinen Finderlohn vorher bekommen. 10% von irre viel sind immer noch ganz schon viel und deswegen…“ sie hielt kurz inne und schaue sich um „…und deswegen gehört mir die ganze Hütte hier jetzt. Aber das muss nicht jeder wissen, ihr versteht?“ Dabei zwinkerte sie uns verschwörerisch zu.

Anton nickte. „War das außer den Scheren und den Preisen noch mehr in dem Geheimzimmer?“

„Naja“, erwiderte Hertha, „da war noch eine Kassette. Also eine Kassette mit einer Kassette drin…“

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Kommentar? Ja, klar!