Dez 27

Das verlorene Mixtape 6

Wir machten uns also nach einem ausgiebigen Frühstück (bestehend aus viel Kaffee und einer obligatorischen Scheibe Toast) auf den Weg ins Büro. Wie üblich war in unserem Gebäudeflügel so gut wie nichts los, als wir dort ankamen.

Die Kollegen aus dem Amt machten immer noch einen großen Bogen um die „Spukabteilung“, wie wir hinter vorgehaltener Hand genannt wurden. Selbst unser Vorgesetzter saß in der übergeordneten Dienststelle, nahe des Hauptbahnhofes. Also hatten wir unsere Ruhe…

Nachdem auch hier die Kaffeemaschine auf Höchsttouren gebracht war und die wenigen eingegangenen

E-Mails gelesen waren, konnten wir uns in aller Ruhe unserer Bastelarbeit widmen. Die Übertragung der Tonspur auf den Computer klappte dank Farfrieds Walkman und einem Verbindungskabel mit zwei Klinkensteckern völlig problemlos. Dann fing aber das große Rätselraten an.

Gegen Mittag tauchte Norbert bei uns im Büro auf und brachte eine große Portion Falafel, Salate und Zaziki mit und so verwandelten wir unseren Gebäudeflügel in die übelste Knoblauchhölle jenseits von Transsilvanien. Während wir noch die letzten Reste dieses Festmahls in uns hineinschaufelten, öffnete sich plötzlich ein Fenster auf dem Bildschirm und eine lange Textreihe scrollte herunter. Anton bemerkte aus aus dem Augenwinkel, würgte das Falafelbällchen, das er gerade in den Mund gesteckt hatte, herunter und stieß sich mitsamt Drehstuhl vom Tisch ab. Die Serviette flog im hohen Bogen direkt in den Mülleimer und nach einem kurzen Moment murmelte er „Bingo!“

Einige Minuten später war der Inhalt der Datei ein wenig formatiert und kam als Liste aus dem Drucker. Ich nahm die erste Seite aus dem Ausgabefach und musste mich doch sehr zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Offensichtlich hatten wir das verlorene Mixtape gefunden – allerdings anders, als erwartet.

Stumm reichte ich die Seite an Anton und Farfried weiter, die anfingen, albern zu kichern. Auch Norbert warf einen Blick auf den Ausdruck und fiel ein. Dann ging er an den PC, gab etwas ins Browserfenster ein und drehte die Boxen auf.

Nach einigen Sekunden dröhnte Rick Astley durch unser Büro – und er sang seinen ewigen Hit. Never gonna give you up…

Das war also des Rätsels Lösung: das verlorene Mixtape war eigentlich gar kein Mixtape sondern nur eine Liste von Liedern. Als Norbert einen Blick auf die mittlerweile ganz ausgedruckte Liste warf, meinte er:

„Da brauchen wir nicht mal groß zu suchen, wo wir diese Musik herbekommen. Hertha hat die Lieder. Alle. Ganz sicher.“

Und so suchten wir am Abend erst eine der hiesigen Filialen eines großen Elektronik-Fachmarktes auf, um einen MP3-Player, eine Speicherkarte und passende Boxen zu besorgen und fuhren mit dann zu Herthas Popschuppen, um uns die Lieder von der Liste auf die Speicherkarte zu kopieren. Gerade, als wir wieder losfahren wollten, kam Hertha zu unserem Auto gelaufen.

„Hey, wartet, ich komme mit. Wenn die Jungs und Mädels am See schon eine Party wollen, dann sollen sie auch eine bekommen. Eine richtige! Marko schmeißt so lange den Laden, heute ist sowieso nicht so viel los. Da kann ich auch mein Mixtape laufen lassen“ grinste sie uns an.

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