Dez 30

Das verlorene Mixtape 7

Also quetschten wir uns ins Auto und fuhren zurück zum See. Kaum waren wir an dem alten Baumstamm angekommen, machte es wieder „Ploff“ und das Gespenst erschien. Es begrüßte uns mit den Worten:

„Alter seid ihr aber langsam. Wir hatten gedacht, das geht schneller. Hey Hertha, alles klar meine Hübsche?“ Hertha fiel der Unterkiefer fast bis in den Sand.

„Ulf, ich dachte, du wärst bei dem Autounfall…“

„Naja, da bin ich“, antwortete das Gespenst. Aber so ganz verschwindet man nie, so lange jemand an einen denkt. Und du weißt ja, das war einer meiner Lieblingsplätze hier…“ Hertha schluckte.

„Ulf war lange Jahre mein Friseur, bis er vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Aber das ist eine andere Geschichte…

Inzwischen hatten Anton und Norbert die etwas improvisiert wirkende Anlage aufgebaut und Farfried das Verlängerungskabel an den Zigarettenanzünder angeschlossen und nach einem kurzen Soundcheck dröhnte wildeste Musik aus den 80er Jahren über den See.

Ulf grinste uns an und schien sich in so etwas wie Tanzbewegungen zu wiegen. Und langsam tauchte ein Gespenst nach dem anderen über dem See auf. Tanzend natürlich. Und grinsend. Und feiernd. Die Gespenster tanzten bis in den Morgengrauen, bis sie in der aufgehenden Sonne langsam verblassten.

Als die Sonne über die Baumwipfel lugte, waren wir schon längst im Bett. Wir krochen erst am frühen Nachmittag aus den Federn und schrieben unseren Bericht zusammen und Nobelix wollte ’nur noch mal eben schnell‘ die eingegangenen E-Mails abrufen.

Natürlich erwies sich das als kapitaler Fehler, denn das Postfach war zwar nicht wirklich voll, aber eine E-Mail leuchtete um Aufmerksamkeit buhlend in Rot auf. Absender war der Chef – und der Betreff sah nicht sonderlich erfreulich aus.

Der Inhalt war auch nicht viel erfreulicher. Im Grunde sagte er nicht viel mehr aus, als dass wir ab sofort einer ‚Sondereinheit für unerklärliche und übernatürliche Angelegenheiten‘ zugeordnet wurden. Weitere Angaben wurden nicht gemacht und würden uns noch mitgeteilt.

„Na toll. Wieder mal das Büro wechseln“, stöhnte Farfried auf. „Ich pack schon mal wieder alles zusammen.“

„Oh man, nicht mehr heute. Ich bin fix und fertig!“ Anton war auch nicht wirklich begeistert. Vor allem nicht, weil wir zwei ziemlich lange Nächte hatten. Aber so ist das nun mal, manchmal kann man sich nicht aussuchen, was gerade passiert. Und bis etwas passierte, machte ich mich erst mal daran, möglichst viel Hintergrundinformationen zum bevorstehenden Hexentanz zu sammeln.

Kurz bevor wir Feierabend für diesen Tag machen wollten, klingelte das Telefon. Dran war unser Chef, der uns für den nächsten Morgen zu einer Besprechung einbestellte – und das mit größtmöglicher Geheimhaltung. Das konnte nur eines bedeuten: es wurde doch verdammt schnell konkret mit dieser ominösen Sondereinheit.

<< Das verlorene Mixtape 6

Kommentar? Ja, klar!