Jan 03

Walpurgisnacht 1

Am nächsten Morgen standen wir pünktlich um 8 Uhr im Büro vom Chef. Auf dem Tisch lagen immer noch die Schlagzeilen von vor zwei Tagen. Daneben lagen allerdings auch noch die aktuelle Ausgabe des Stadtkuriers, einer für ihre einseitige und reißerische Berichterstattung bekannte und berüchtigte Lokalzeitung. Sie titelte:

BEHÖRDEN MACHTLOS? ÜBERNEHMEN ÜBERNATÜRLICHE KRÄFTE DIE WALPURGISNACHT?

Anton warf einen Blick auf die Zeitung und murmelte „Äh, elendes Schundblatt. Der meiste Stress geht doch wieder von den betrunkenen Vollidioten aus, die nicht wissen, wann Schluss ist. Aber erst mal gegen uns hetzen.“

Wir verteilten uns auf die Stühle hinter dem Besprechungstisch und schenkten uns Kaffee aus der bereitstehenden Kanne ein, während der Chef hinter seinem Schreibtisch hervorkam.

„So viel zur aktuellen Lage“, eröffnete er unsere Runde. „Aber vorweg: gute Arbeit mit Keller- und Seegespenst. Ich bin nur froh, dass der Stadtkurier da nichts von mitbekommen hat. Ich fürchte allerdings, euer nächster Fall wird sich nicht so ruhig lösen lassen. Dieses Mal stehen wir alle direkt im Mittelpunkt.“

„In den letzten Jahren haben es die Behörden ja ziemlich gut geschafft, das Walpurgisfest als ’normale‘ Feier auszugeben“, meinte Farfried und nahm einen tiefen Schluck aus der vor ihm stehenden Kaffeetasse.

„Zum Glück ist aber auch bis jetzt nicht viel passiert – und nichts, was irgendwie mit Magie in Verbindung zu bringen war. Oder unseren Presseleuten ist immer eine gute Geschichte eingefallen“, ergänzte der Chef. „Aber bevor ihr euch um die Walpurgisnacht kümmern könnt, gibt es noch etwas anderes: ihr werdet ganz offiziell zu einer neuen Sondereinheit abgestellt. Nicht nur intern, sondern das wird ganz offiziell auch in einer Pressemitteilung herausgeben. Die gute Nachricht dabei ist, dass ihr das Büro behaltet. Zentrale Lage, Parkplatz vor der Tür – da ist alles perfekt. Die schlechte Nachricht: ihr werdet an Inneres abgestellt. Stellentechnisch bleibt allerdings alles, wie es ist.
Ihr werdet zusätzlich noch durch Kräfte von der Polizei verstärkt. Wer das sein wird, weiß ich allerdings noch nicht. Genau so wenig, wie ich weiß, wer euer neuer Chef sein wird. Ich habe allerdings – und das ist sowas von inoffiziell – gehört, dass es einen neuen Abteilungsleiter gibt, der das übernehmen soll. Er heißt Kalmer und war bis jetzt bei einem Bundesministerium.“

Farfried pfiff leise durch die Zähne. „Von dem hab ich schon gehört. Angeblich ist er Magier – und kein kleines Licht, sondern einer von den Großen. Das könnte interessant werden.“

„Ja, sowas in der Art hab ich auch gehört“, fuhr der Chef fort. Also der nicht-mehr-lange-Chef. „Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es für euch weitergeht. Und ich wünsche euch alles Gute.“

Damit war die Besprechung beendet und nach einer Runde Händeschütteln machten wir uns auf den Weg in unser Büro. Dort erwartete uns schon der Leiter des Dienstleistungszentrums, und auch er war nicht sonderlich gut gelaunt.

„Wird ja auch Zeit, dass sie endlich auftauchen“, begann er grußlos. „Ich habe gerade die Info bekommen, dass ab sofort ein Parkplatz für Sie freizuhalten ist. Was zur Hölle soll das? Was meinen Sie eigentlich, was das hier ist? Ein Parkhaus? Soll es vielleicht noch ein bestimmter Parkplatz sein? Gleich neben der Tür oder so?“

„Ich hab keine Ahnung, wovon sie reden“, begann ich, wurde aber gleich unterbrochen.

„Hier, das ist doch auf ihrem Mist gewachsen, oder?“, fuhr er fort und knallte den Ausdruck einer E-Mail auf den Schreibtisch. „Erst ist es nur ein Parkplatz, nachher sind es alle und wo sollen meine Mitarbeiter dann parken? Und als nächstes wollen Sie die ganze Etage für sich haben? Wenn es nach mir ginge, wären Sie hier schon längst verschwunden!“ Damit drehte er sich um und verließ Türen knallend das Büro.

„Na das kann ja noch heiter werden“, ließ Anton aus der Tasche hören. „Was wohl passiert, wenn er mitbekommt, dass wir an ein anderes Ressort abgestellt wurden…?

Walpurgisnacht 2 >>

Kommentar? Ja, klar!