Jan 13

Walpurgisnacht 4

Einige Sekunden später kam auch Julia durch die Tür.

„Moin zusammen!“, grüßte sie in die Runde und machte es sich ebenfalls auf dem Sofa bequem. „Parken ist hier ja die Hölle. Ich hab gehört, ihr habt das Ressort gewechselt?“

„Jap, kam ziemlich plötzlich vor ’ner Woche“, antwortete ich. „Und du? Nicht mehr auf Streife? Oder hast du Urlaub?“

„Nein, keine Streife mehr. Bin versetzt worden.“, verzog sie das Gesicht. „Zu irgend so einer komischen Sondertruppe.“

„Ja, irgendwas abgefahrenes“, ergänzte Felicia. „Voll doof, ich war so gerne unterwegs.“

„Na wunderbar“, grummelte Farfried, der gleich wieder in seine schlechte Laune zurückgefallen war, als er die Gesichtsausdrücke von Felicia und Julia sah. „Der Tag wird ja immer besser. Habt ihr schon den ‚Stadtkurier‘ von heute gelesen?“

„Ja, das Blatt ist echt das Letzte!“ fiel Julia ein. „Aber ganz so schlimm ist es nun doch nicht, denn ich hab gehört, dass diese Sondertruppe echt cool sein soll. Außerdem kann Feli ganz offiziell mitmischen.“

Farfried, Anton und ich stutzten und ich fand als erstes meine Sprache wieder. „Ihr seit hierher versetzt worden?“

„Ja!“ Julia und Felicia grinsten über beide Ohren, während Anton und Farfried schallend abklatschten. „Aber der Chef vom Dienstleistungszentrum hier ist echt schräg drauf. Hat erst mal rumgepampt, als ich auf dem Hof parken wollte.“

„Jo, hat er bei uns auch. Aber irgendjemand hat ihm ne Mail geschickt, dass wir einen Parkplatz hier fest kriegen sollen.“ Anton hatte sichtlich gute Laune. „Ich würde ja zu gerne sein Gesicht sehen, wenn er noch so eine Mail bekommt und ab jetzt zwei Parkplätze freihalten muss.“

In diesem Moment knallte die Tür auf und der eben gescholtene Leiter des Dienstleistungszentrums stand im Raum und wedelte mit einem bedruckten Blatt Papier herum.

„WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?“

Zum Glück klingelte in diesem Moment das Telefon und ich konnte mich aus der Schusslinie bringen, während Julia die Wogen diplomatisch glättete.

Am anderen Ende der Leitung war der Veranstalter der Walpurgisnacht-Feier in Bremen. Er wollte einen Termin vereinbaren, um die Stand- und Zeitpläne durchzusprechen und eine Stunde später saß er bei uns im Büro.

„Haben Sie heute schon in die Zeitung geschaut?“, fragte er sichtlich angespannt. „Der Stadtkurier macht echt übel Stimmung gegen uns.“

„Ja, haben wir. War nicht zu übersehen, Herr Merzig.“ Julia saß an einem unserer Laptops. „Die Kollegen sind da aber mittlerweile schon dran. Die Kollegen gehen aber nicht von einer akuten Gefahrenlage aus, auch wenn am Montag es durchaus heiß hergehen könnte. Trotzdem sollten Sie um die Demo und um die mittlerweile angemeldeten Gegendemonstrationen einen Bogen machen.“

Merzig atmete tief aus. „Die spinnen einfach. Und die MBB springt einfach auf den Zug mit auf. Das sind ja schon ziemliche Nazi-Machenschaften.“

„Die MBB war schon bei ihrer Gründung vor zwei Jahren gegen alles Nichtmenschliche. Bis jetzt haben die sich aber noch nichts strafrechtlich relevantes nachweisen lassen. Obwohl das schon ziemlich geschmacklos ist.“ Julia gab sich alle Mühe, Merzig zu beruhigen.

„Ich hoffe nur, es kommt nicht zu größeren Ausschreitungen,“ warf ich ein. „Das wäre wahrscheinlich für die Veranstaltung eher schädlich. Halten Sie uns bitte auf dem Laufenden, auch falls es Drohungen gibt.“

„Ja, mache ich“, sagte Merzig. „Ich hoffe aber, dass es friedlich bleibt.“

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Kommentar? Ja, klar!