Jan 17

Walpurgisnacht 5

Natürlich blieb es nicht friedlich. Bereits zwei Stunden vor dem Beginn der BREGIMA-Demonstration waren mehrere hundert Gegendemonstranten erschienen. Sie versuchten zwar, den Marktplatz zu blockieren, wurden aber durch Einsatzkräfte der Polizei abgedrängt. Kurz nach dem Beginn der eigentlichen Demonstration der BREGIMA schlossen sich gut einhundert Autonome im Bereich Obernstraße zusammen und marschierten auf den Marktplatz zu. Bereits auf einige Entfernung flogen Steine auf Einsatzkräfte und Demonstranten.

Die BREGIMA-Demonstranten warfen nun ihrerseits Steine auf Einsatzkräfte, Gegendemonstranten und Einsatzkräfte. Die im Bereich Schüsselkorb bereitstehenden Wasserwerfer erreichten innerhalb einiger Minuten nach dem Auftauchen der Autonomen den Marktplatz. Durch das Erscheinen der Wasserwerfer angestachelt, flogen gegen 15:30 Uhr die ersten Feuerwerkskörper aus den Reihen der BREGIMA-Demonstranten auf Einsatzkräfte. Während sich die Gruppen der überwiegend friedlichen Gegendemonstranten zügig zerstreuten, schienen Autonome und BREGIMA-Demonstranten sich nun die Einsatzkräfte als gemeinsamen Gegner ausgesucht zu haben.

Erst durch den konsequenten Einsatz der Wasserwerfer und beider Einsatzhunderschaften der Bereitschaftspolizei konnte die Lage beruhigt werden. Mehrere Dutzend Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Einen Tag später erhielten wir die Einsatzberichte und die Aufzeichnungen der Überwachungskameras. Leider war auch wieder eine Schlagzeile des Stadtkuriers dabei:

DEMONSTRATION VON POLIZEI GEWALTSAM AUFGELÖST – AUTONOME STÖRER KOMMEN UNGESCHOREN DAVON!
Die gestrige Demonstration der Bremer gegen Idiotische Magieanwender ging nach weniger als einer halben Stunde in tumultartigen Szenen unter. Nach dem Aufmarsch von über einhundert gewaltbereiten Autonomen schritt die Polizei mit maximaler Gewalt ein. Mehrere friedliche Demonstranten wurden von der Polizei gezielt mit Wasser angegriffen.
Die Innenstadt um den Marktplatz glich einem Schlachtfeld. Ohne das Eingreifen der Einsatzkräfte wäre die Situation nicht so eskaliert. Die Einsatzführung war uns gegenüber nicht zu einer Stellungnahme bereit. Offensichtlich wird versucht, die eigenen Fehler zu vertuschen.

„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ Farfried knüllte die Zeitung zusammen und versenkte den Papierball zielsicher im Papierkorb. „Diese Schmierfinken gehören eingesperrt!“

„Naja, das werden wir wohl schlecht rechtfertigen können, aber das sind definitiv völlig verdrehte Fakten“, meinte Julia. „So viel zum Thema ‚Faire Berichterstattung‘.“

„Wir können die Reporter des Stadtkuriers zwar nicht komplett ausschließen, aber wir müssen ja nicht auf ihre Fragen antworten.“ Anton war ebenfalls ziemlich geladen, aber die Idee war ziemlich gut. „Zum Glück gibt es deutlich seriösere Medien, die zwar nicht so reißerisch berichten, aber näher an der Wahrheit bleiben.“

Wenige Minuten später erschien eine neue E-Mail in unserem Posteingang und der Absender verhieß nichts Gutes. Als ich sie las, glaubte ich, meinen Augen nicht trauen zu können. Sie kam von Kalmer und bestand nur aus zwei Sätzen:

Sorgen Sie dafür, dass die Walpurgisnacht ruhig bleibt. Um Stadtkurier und Demonstranten kümmern sich andere. Kalmer.

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Kommentar? Ja, klar!