Jan 20

Walpurgisnacht 6

In der folgende Woche gab es zwar noch einmal den Versuch einer Demonstration der BREGIMA, aber dieses Mal trauten sich nur noch ein einige wenige Menschen auf die Straße. Gleichzeitig wurde die Berichterstattung des Stadtkuriers deutlich objektiver (und korrekter), was durchaus daran gelegen haben könnte, dass es laut einem kleinen Artikel ‚personelle Veränderungen‘ in der Redaktion gegeben hatte. Wir haben zwar nicht erfahren, wie Kalmer das geschafft hat, aber war wirkungsvoll.

So langsam wurden die Vorbereitungen zu den eigentlichen Feierlichkeiten auch deutlich konkreter. Es gab Sitzungen, Meetings, Treffen und jede Menge an Kommunikation zwischen dem Veranstalter, den Behörden und allen anderen Beteiligten.

Besonders viel Arbeit machte es, die Anreise von mehreren Coven, Vereinen und Gruppen zu organisieren, die unbedingt mit dem eigenen Besen anreisen wollten. Meine Güte, die Flugsicherung ist fast hintenübergefallen, als wir Anflugzeiten angemeldet haben. Der Funk war nicht so das Problem – auch wenn sich einige der Anreisenden doch erheblich dagegen gesträubt haben, ein Funkgerät mitzunehmen – aber ein Besen kann leider nicht mit einem Transponder ausgestattet werden. Dazu fehlt einfach die grundlegende Elektronik. Und die Spannungsversorgung. Und überhaupt.

Aber auch das ließ sich lösen, indem auf dem Truppenübungsplatz Große Höhe in der Nähe von Delmenhorst temporär ein optisches Signal als Sammel- und Wartemarkierung aufgestellt wurde. Naja, so hieß es jedenfalls im Amtsdeutsch. Das ganze wurde so umgesetzt, dass ein alter Richtfunkmast der Bundeswehr dort aufgestellt wurde und am oberen Ende eine Lichterkombination angebracht wurde. Um diesen Mast herum war genug Platz, damit dort notfalls sogar eine Zwischenlandung für eine größere Anzahl Besen möglich war, falls es zu längeren Pausen kommen sollte.

Die ersten Anreisen waren drei Tage vor der Walpurgisnacht angesetzt und obwohl es ein Samstag war, ließen wir uns es nicht nehmen, zum ersten Anreise-Zeitraum dort vor Ort zu sein. Nobelix hatte es sogar geschafft, zwei Funkgeräte für die entsprechenden Frequenzen zu organisieren, so dass wir den Funkverkehr mitverfolgen konnten. Für alle Fälle hielten wir auf dem Weg nach Delmenhorst sogar noch schnell an einem Supermarkt an und kauften einige Packungen Wasserflaschen und da sich der Verkehr an diesem Tag sehr in Grenzen hielt, kamen wir gegen zehn vor acht am Übungsplatz an. Zum Glück fanden wir die richtige Zufahrt zur Lichtung relativ schnell.

Julia und Felicia waren ungefähr zur gleichen Zeit am Flughafen in Bremen angekommen. Sie sollten das dortige Empfangskommittee sein und eine kurze Einweisung in die örtlichen Gepflogenheiten geben. Insbesondere die Oberleitungen der Straßenbahn waren nicht ganz ungefährlich, verliefen sie doch teilweise als dichtes Netz über größeren Kreuzungen.

Auf dem Segelflugplatz war über den Tag noch gut was los, aber zum Abend war es dort auch ruhig geworden, so dass das Risiko, dass wir entdeckt würden, recht gering war. Wir taten hier zwar nichts verbotenes, aber diese Aktion sollte – so unser Chef – nicht an die große Glocke gehängt werden und „unauffällig“ über die Bühne gehen. Auch das war einer der Gründe, dass wir hier waren.

Schon bei der Abfahrt vom Supermarkt hatten wir den Flugfunk eingeschaltet und lauschten auf der Frequenz der Anflugkontrolle Bremen. Bislang war es noch ruhig geblieben, aber so langsam merkten sogar wir, dass sich einiges tat und auch wenn die Maschine nach München einige Minuten nach der geplanten Zeit abheben würde, war es noch relativ übersichtlich. Aber pünktlich um 20:30 Uhr ging es los.

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