Jan 27

Walpurgisnacht 8

Natürlich ging es in den darauf folgenden Tagen genau so weiter. Naja, eigentlich ist das stark untertrieben, denn es ging nicht genau so weiter, sondern es wurde deutlich mehr. Trotzdem klappte die Zusammenarbeit ziemlich gut und wir schafften es, alle auf eigenem Besen anreisenden Gruppen quasi ‚unter dem Radar‘ nach Bremen hineinzubekommen.

Nebenbei kamen natürlich auch noch Gäste auf den konventionellen Wegen an: mit Autos, Bussen, der Bahn und Linienflügen. Eine Gruppe reiste sogar mit dem Schiff an und ließ es sich nicht nehmen, direkt an der Marina an der Schlachte anzulegen. Das war ein ziemliches Spektakel, denn das Schiff passte nur ganz knapp unter der Eisenbahnbrücke durch. Zum Glück war der Wasserstand gerade richtig, nicht zu hoch und auch nicht zu niedrig. Ich bin mir da aber nicht so ganz sicher, dass die Gäste nicht vielleicht doch ein bisschen dabei nachgeholfen haben. Aber wer weiß das schon…?

Wir waren an diesen Tagen natürlich erst spät im Büro und blieben dafür um so länger, aber es war sowieso nicht wirklich viel los. Es gab zwar den einen oder anderen Drohbrief, die den Veranstalter erreichten, aber das übernahm die Polizei. Zum Glück erwiesen sich die Briefe als leere Drohungen.

Gegen 15 Uhr saßen wir auf Sofa und Stühle verteilt in unserem Büro und hatten Funkgeräte, Handys und Laptops an den Ladegeräten, als vor dem Büro schwere Schritte zu hören waren. „Das ist doch bestimmt wieder der…“, sagte Julia leise, während Felicia, Farfried und ich uns bereits an verschiedenen Stellen außer Sicht brachten.

Aber anstatt dass sich die Tür wie bei den letzten Malen schlagartig öffnete, rummste es nur gewaltig, als jemand von außen die Klinke drückte, aber dann an der verschlossenen Tür abprallte.

Ein leises Kichern drang aus Farfrieds und Felicias Versteck hinter dem Sofa, während Julia und Nobelix sich ziemlich erstaunt anschauten. Ich hatte mich vor einem Monitor auf dem vorderen Schreibtisch, also von der Tür aus gesehen hinter dem Monitor und damit von der Tür aus unsichtbar, verkrochen. Es rummste noch einmal von außen an der Tür, als unser Besucher wieder abprallte und diesmal stand Nobelix auf, öffnete die Tür und wurde direkt von dem Leiter des Dienstleistungszentrums zur Seite geschoben. Noch bevor jemand irgendetwas sagen konnte, dröhnte dieser auch gleich schon wieder los:

„WAS FÄLLT IHNEN EIN SICH HIER EINZUSCHLIESSEN? Das widerspricht jeglichen Gepflogenheiten hier im Haus!“ Er schaute sich im Raum um, sah Julia und er holte gleich wieder Luft.

„Datenschutz. Schlicht und einfach.“ Julia lächelte ihn entwaffnend an.

„Ich habe die Berechtigung, alle Daten hier im Haus einzusehen“, wand er ein.

„Nein. Nicht mehr, seit wir nicht mehr zum Ressort gehören“, entgegnete Nobelix von der Tür aus. Dieses Mal stand der Leiter des Dienstleistungszentrums wahrhaftig im Kreuzfeuer. „Und wenn Sie uns das nächste Mal mit einem Besuch beehren, klopfen Sie bitte etwas sanfter an. Nicht, dass die Tür noch kaputtgeht.“

„Ja aber…“ entgegnete er, diesmal schon etwas kleinlauter.

„Und was genau hat Sie jetzt zu uns geführt?“ wollte Julia nun wissen, was den Leiter des Dienstleistungszentrums nun wirklich den Wind aus den Segeln nahm.

„Ich…also es gab Kollegen die sich beschwert haben, dass es hier sehr laut wäre.“ Es schien, als könne er selber kaum glauben, was er da von sich gab. „Und es gab…Gerüchte. Darüber, dass hier irgendwelche sonderbaren Dinge passieren würden. Also, jedenfalls wurde mir das zugetragen. Auf dem Dienstweg.“ So langsam hatte er sich wieder etwas gefasst.

„Nun, und wieso halten Sie dann den Dienstweg nicht auch entsprechend ein?“, wollte Nobelix wissen, aber in dem Moment piepte das Funkgerät ein Alarmsignal.

<< Walpurgisnacht 7Walpurgisnacht 9 >>

Kommentar? Ja, klar!