Feb 07

Walpurgisnacht 11

Eine gute Viertelstunde später waren wir wieder im Büro angekommen und während Julia sich auf das Sofa sinken ließ, machten sich Felicia und Farfried an der Kaffeemaschine zu schaffen. Wir hatten unterwegs noch kurz angehalten und einige Teilchen besorgt und ich machte mich auf die Suche nach Tellern und Bechern.

Kurz darauf saßen wir munter kauend in unserem Büro und scherzten scherzten, was der Abend wohl noch so bringen würde.

„Ich tippe auf wenigstens 2,8 Promille“, schmatzte Farfried zwischen zwei Bissen Plunderteilchen. Das brachte ihm nicht nur ein allgemeines Aufstöhnen aus der Runde ein, sondern auch noch einen Ellenbogenstoß in die Rippen.

„Beschrei es nicht – und erst recht nicht beim Essen!“ grinste Felicia neben ihm, und leckte sich die Finger ab.

„Da kommen wir drüber, wenigstens 3,2 würde ich sagen.“ Julia lehnte sich mit einem Becher Kaffee in den Händen zurück und legte die Füße auf den Couchtisch. Aus irgendeinem Grund fanden sich immer mal wieder kleine, aber praktische zusätzliche Möbel in unserem Büro an. Darauf angesprochen, grinste der Hausmeister aber jedes Mal nur und meinte, die würde ja sonst niemand hier brauchen.

Nobelix nahm einen großen Schluck Kaffee und schaute auf die Wanduhr. „Das Feuer am Café Sand sollte mittlerweile brennen. Hoffentlich bleibt es aber noch eine Zeit lang ruhig.“

„Sieht ganz so aus. Bis jetzt ist nix zu hören.“ Ich saß am Schreibtisch und drehte den Funk ein wenig lauter. Außer einem beinahe schon obligatorischen Verkehrsunfall im Feierabendverkehr auf der Weserbrücke war nicht viel los. Der sichergestellte Besen war inzwischen auch sicher verstaut und ich wollte gerade anfangen, den ersten Bericht zu schreiben, als es leise ans Fenster klopfte und ich Norbert draußen erkannte.

Außer mir hatte anscheinend aber niemand das Klopfen gehört, denn keine reagierte. Nicht einmal Farfried und Felicia, die sich Kopf an Kopf auf die Heizung vor der Fensterbank gelegt hatten und sich den Rücken aufwärmten. Es klopfte erneut, dieses Mal aber deutlich lauter.

Farfried schreckte hoch und rutschte dabei seitlich von den Rippen der Heizung. Im Zeitlupentempo kippte er ab und wurde immer schneller, bis er schließlich im freien Fall von der Heizung fiel.

Jetzt hatten auch die anderen gemerkt, dass Norbert vor dem Fenster saß und grinsten breit. Farfried hatte sich natürlich Zentimeter vor dem Boden gefangen und flog langsam wieder bis zu seinem vorherigen Platz hoch. Inzwischen öffnete Nobelix das Fenster um Norbert hereinlassen.

„Moin zusammen! Na, wie ist die Lage bei euch? Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff?“ Bei Norbert war wie immer gute Laune angesagt und als er die Teilchen erblickte, wurde sie noch besser. Kurz darauf war auch er mit einem Becher Kaffee und einem Plunder ausgestattet und machte es sich auf der Armlehne des Sofas bequem. „Ist ja ziemlich ruhig heute, was?“ merkte er zwischen einem Schluck Kaffee und einem Bissen Plunder an, aber in diesem Moment wurde das Funkgerät wieder munter und alle saßen auf einmal gerade und sprungbereit auf ihren Plätzen.

Nach einigen Minuten wurde es aber wieder ruhiger, denn der angeblich durch fliegende Funken vom Maifeuer ausgelöste Brand am Osterdeich erwies sich als Müllcontainer, der durch einen weggeworfenen, aber noch heißen Einmalgrill in Brand geraten war. Also kein Fall für uns und so ließen wir uns wieder sinken.

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Kommentar? Ja, klar!