Feb 24

Walpurgisnacht 16

Noch bevor Nobelix nachfragen konnte, was sie jetzt genau damit gemeint haben könnte, klingelte das Diensthandy. Er meldete sich und man konnte nur ein mehrfaches „Hmm mmh, ja…“ verstehen. Dann steckte er das Handy wieder in die Tasche und schaute uns an.

„Das war gerade die Leitstelle der Polizei. Ich glaube, wir sind noch nicht ganz mit dem Fall durch, denn in den letzten Minuten haben dort unabhängig voneinander mehrere Menschen angerufen und gesagt, in einer Grünanlage in Huchting, nahe des Sodenmattsees, würde etwas seltsames passieren.“

„Oh nein“, entfuhr es Julia. „Lass mich raten, ungefähr am Spielplatz an der Linse?“

„Jup, genau. Was zur Hölle treibt die Menschen nur immer genau da hin?“, wollte Nobelix wissen. „Immer mittendrin.“

„Kraftlinien“, erklärte Felicia. „Da gibt es eine Art Ballung, in der mehrere Kraftlinien zusammenlaufen.“ Jetzt war es an Julia, eine Augenbraue hochzuziehen.

„Du hast nicht zufällig in meinen Büchern geschmökert?“, wollte sie wissen, aber da fuhr Felicia schon fort.

„Irgendwo muss die Energie, die bei solchen Ritualen freigesetzt wird, ja herkommen. Und je mehr Kraftlinien zusammenlaufen und je mächtiger diese sind, desto einfacher werden Rituale und desto mehr Energie kann freigesetzt werden.“

„Felicia!“ Julia war sichtlich empört. „Ich hab dir gesagt, die Bücher sind nicht zum allgemeinen schmökern gedacht! Was da drin steht, kann ziemlich gefährlich sein.“ Sie schaute uns an und fuhr fort: „Eigentlich hatte ich gehofft, ich hätte all das hinter mir gelassen. Es ist eine ziemlich lange Geschichte, aber in kurz geht sie ungefähr so: in meiner Familie hat es immer wieder Hexen beziehungsweise Magier gegeben. Nicht alle Familienmitglieder waren entsprechend begabt, aber die, die es waren, waren richtig mächtig. Ein kleiner Schatten davon hat sich über die Generationen hinweg erhalten und ich wurde als Jugendliche entsprechend unterwiesen.“

„Ich hab mir sowas schon beinahe gedacht“, sagte Nobelix lächelnd. „Irgendwie musste es da eine Vorgeschichte geben. So entspannt, wie du mit der Situation in der Wohnung umgegangen bist. Wir sollten uns aber langsam auf den Weg machen. Nicht, dass da noch mehr schief geht und dieses Mal jemand verletzt wird.“

Kurz nachdem wir am Auto ankamen, klingelte das Diensthandy schon wieder und da die Freisprechanlage schon eingeschaltet war, konnten wir dieses Mal gut mithören. Am anderen Ende der Leitung war wieder die Leitstelle.

„Roland hier. Gerade kam der nächste Anruf, dieses Mal von den Nachtwanderern. Ihr wisst schon, dieses Sozialprojekt. Zwischen Linse und Spielplatz geht irgendwas vor, es war die Rede von seltsamen Gesängen und einem stechenden Geruch nach irgendwelchen Kräutern. Bevor ich hier jetzt wieder Alarm mach, fahrt da bitte mal hin und schaut euch mal um. Und meldet euch, wenn ihr Verstärkung braucht.“

„Wir sind gleich auf dem Weg“, antwortete Nobelix und nur Sekunden später rollten wir wieder los. Aber kurz bevor wir die Weser überquerten war ein Donner zu hören und zu spüren und nur Sekunden später meldete sich das Funkgerät schon wieder:

„Lurch 11-1 und alle freien Roland-Fahrzeuge im Süden, schreibbereit machen für Einsatz.“

„Lurch 11-1 und alle freien Roland-Fahrzeuge im Süden, folgender Einsatz: Explosion in Naherholungsgebiet, mehrere Verletzte, Spielplatz Kloßkampsweg. Feuerwehr und Rettung rollt, äußerste Vorsicht, möglicherweise brennbare Chemikalien beteiligt. Anfahrt über Obervielander Straße, Ecke am Sodenmatt oder über Delfter Straße. Fahrzeuge bitte bestätigen.“

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Kommentar? Ja, klar!