Feb 28

Walpurgisnacht 17

„Lurch 11-1, wir sind auf dem Weg!“ Nobelix war jetzt sichtlich angespannt, während Julia den Wagen mit aufbrüllendem Motor in Richtung der Weserbrücke beschleunigte.

In den nächsten Sekunden kamen weitere Bestätigungen über den Funkkanal herein, insgesamt meldeten sich drei weitere Funkstreifen, die in der Nähe waren.

Als wir auf der B75 gerade richtig in Fahrt waren und die Tachonadel über die 100-kmh-Marke kletterte, kam die nächste Meldung über Funk:

„Roland 70/02, 71/01, 70/01 und Lurch 11-1 von Roland, bestätigte Explosion am Einsatzort, mehrere Anrufer bei Feuerwehr und uns. Erhöhte Eigensicherung. Roland-Kräfte sperren vorerst nur zu Zufahrten ab. Lurch zieht vor, so bald keine Gefahr mehr besteht.“

„Na fantastisch, diesmal geht es richtig rund“, brummelte Nobelix in seinen Bart und bestätigte die Anweisung.

„Fahr mal über die Delfter Straße an, Huchtinger Kreisel runter, links weg bis Friedhof und dann rechts ab auf die Heinrich-Plett. Die Delfter ist die erste Straße rechts.“ Nobelix brauchte weder Navi noch Stadtplan für die Routenplanung, denn er ist in diesem Stadtteil aufgewachsen.

Als wir das Hallenbad am Ende der Delfter Straße erreicht hatten, wurden wir von einem Streifenwagen erwartet. Schon hier waren die Schäden durch die Explosion zu sehen. Aus den Altenheimen und Einrichtungen für betreutes Wohnen wurden die ersten Bewohner evakuiert, etliche Fensterscheiben waren zu Bruch gegangen und auch die großen Scheiben des Schwimmbades wiesen einige Schäden auf.

Julia und Nobelix stiegen aus und gingen langsam in Richtung der Grünfläche vor, wo bereits zwei Fahrzeuge der Feuerwehr standen und die Feuerwehrleute einige noch qualmende Holzbalken ablöschten. Etwas weiter entfernt kümmerten sich Sanitäter um eine verletzte Person. Während Julia auf den Rettungswagen zuging, machte Nobelix sich auf den Weg zum Zugführer der Feuerwehr. Gerade, als er dort ankam, konnte er hören, wie der Zugführer eine Meldung an die Leitstelle absetzte:

„Florian von 43/44-1, Feuer aus, eine verletzte Person. Keine weiteren Kräfte, anrückende Kräfte können beidrehen.“ Einige Sekunden später blickte der Zugführer auf.

„Nobelix, schön dich zu sehen – aber runter von meiner Einsatzstelle.“ Ein breites Grinsen bahnte sich einen Weg in das Gesicht des Menschen.

„Moin Heiner, ebenfalls schön dich zu sehen. Ich würde ja wahnsinnig gerne wieder verschwinden, aber dann meckert mein Chef.“ Er zückte seinen Dienstausweis und hielt ihm dem Zugführer vor die Nase. „Ihr habt die Lage im Griff? Kannst du schon was zur Ursache sagen?“

„Unerklärliche Angelegenheiten? Ah, stimmt, ich hab davon gehört, dass du den Job gewechselt hast. Ich hab keine Ahnung, was genau passiert ist. Der erste Eindruck ist, als wenn es eine Verpuffung gegeben hat. Es hat aber kaum Schäden gegeben, das Druck ist wohl zum größten Teil nach oben weg. Eine Person wurde verletzt, die ist aber schon im RTW.“

„Ja, meine Kollegin ist schon drüben. Das hätte auch anders ausgehen können, der Knall war bis in die Stadt zu hören“, meinte Nobelix. „Ich sag der Pol Bescheid, dass keine Gefahr mehr besteht. Bis später dann.“

Als er wieder am Auto ankam, stieg Julia gerade aus dem Rettungswagen und kam nach einem kurzen Rundblick auch zurück.

„Das hätte ins Auge gehen können“, meinte sie. „Alida Verbeck liegt im RTW – erstaunlicherweise und zum Glück nicht all zu schwer verletzt. Sie war zwar nicht wirklich ansprechbar, meinte aber, dass ihr Kessel ‚hochgegangen‘ sei.“

„Wer weiß, was sie da zusammengerührt hat“, kam es halblaut von der Rücksitzbank. „Sie wird sich auf jeden Fall über eine saftige Rechnung freuen…entweder sie oder ihre Versicherung.“ Farfried war so langsam sichtlich müde.

„Nun ja, ich denke, wir können hier sowieso nichts mehr machen. Lasst uns fahren. Der Tag ist sowieso gelaufen.“ Auch Nobelix sah man die Erschöpfung deutlich an.

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Kommentar? Ja, klar!