Mrz 07

Walpurgisnacht 19

In den nächsten Tagen reisten dann auch die Besucher wieder ab und dieses Mal verlief es um einiges entspannter als bei der Anreise. Nur die Gruppe, die mit ihrem Schiff an der Schlachte angelegt hatte, musste sich einige Stunden länger gedulden, als sie geplant hatten – aus irgendeinem Grund war die Weser einfach etwas zu voll, um unter der Eisenbahnbrücke hindurch zu passen.

Als die Berichte geschrieben und verteilt waren und wir uns auf die vorhandenen Sitzgelegenheiten fläzten, öffnete sich die Tür und Kalmer betrat das Büro.

„Bleiben Sie bitte sitzen!“ Er schloss die Tür leise wieder und setzte sich auf einen der freien Besucherstühle und ließ ein Exemplar des Stadtkuriers so auf den Tisch gleiten, dass die Titelschlagzeile gut zu sehen war:

RUHIGE WALPURGISNACHT
Bis auf kleinere Zusammenstöße blieb die diesjährige Walpurgisnacht ruhig. Sehr zur Überraschung blieben die Feiernden von größeren Krawallen verschont. Lesen Sie weiter auf Seite 3.

Direkt daneben war in einem unauffälligen, kleinen Kasten eine Schlagzeile zum Einsatz in Huchting – aber auch hier gab es nicht viel Text und wir wurden nicht einmal am Rande erwähnt.

„Ich weiß nicht wirklich, ob ich wissen möchte, wer oder was den Stadtkurier so im Zaum gehalten hat. Von mir aus könnte es gerne so bleiben“, sagte Nobelix, nachdem er einen Blick auf die Zeitung geworfen hatte.

„Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht einmal wissen.“ Kalmer schmunzelte leicht, als er fortfuhr: „Manche Dinge sollten besser im Verborgenen bleiben, denn sonst könnte die MBB wieder etwas von ‚beeinflussbarer Staatspresse‘ schreien – und das wollen wir alle nun wirklich nicht.“ Mit diesen Worten verschwand Kalmer so unauffällig, wie er erschienen war und es war an uns allen, hinter unseren Kaffeebechern zu grinsen.

„Sag mal, eigentlich haben wir ja mittlerweile genug Überstunden, um uns ein langes Wochenende ohne Arbeit zu gönnen, oder?“ Julia schaute Felicia an, als hätte sie sich verhört. Felicia schien das aber gar nicht zu merken, sie schien Farfried beinahe zu hypnotisieren.

„Tolle Idee“, murmelte dieser halblaut.

„Au ja! Urlaub!“ krakeelte es plötzlich aus der Tür. Natürlich tauchte Norbert immer im entscheidenden Moment auf. „Wo fahren wir denn hin?“

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